Tarifkonflikt : Zentrale Demo mit 4000 Teilnehmern

Es geht nicht allein ums Geld: Wichtiges Anliegen der Beschäftigten in den Kliniken wie in den Pflegeheimen ist die Personalaufstockung. Das war auf vielen Transparenten zu lesen.
1 von 3
Es geht nicht allein ums Geld: Wichtiges Anliegen der Beschäftigten in den Kliniken wie in den Pflegeheimen ist die Personalaufstockung. Das war auf vielen Transparenten zu lesen.

Kitas und Kliniken, Müllabfuhr und Schwimmbäder: In Kiel und Umgebung traf der Warnstreik der beiden Gewerkschaften Verdi und GEW das öffentliche Leben. Den Demonstranten ging’s nicht allein ums Geld, sondern auch um bessere Arbeitsbedingungen.

shz.de von
12. April 2018, 19:15 Uhr

Mit Bussen, mit Zügen und mit Privatautos waren sie nach Kiel gekommen: Schätzungsweise 4000 Mitglieder der beiden Gewerkschaften Verdi und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) beteiligten sich gestern am Warnstreik in der Landeshauptstadt. Sechs Prozent Lohnerhöhung (mindestens 200 Euro im Monat) lautet die Forderung im aktuellen Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes. Ein langer Zug mit rot-weißen Fahnen und Transparenten zog vom Gewerkschaftshaus quer durch die Innenstadt zum Hauptbahnhof. Auf dem Platz der Matrosen vor dem Kieler Hauptbahnhof fand die Abschlusskundgebung statt.

„Mehr von uns ist besser für alle“, lautete die Parole, die Beschäftigte des Städtischen Krankenhauses mit sich trugen. Eine Anspielung auf dünne Personaldecke, die von den Belegschaften in vielen Kliniken beklagt wird. „Gesundheit braucht genug Personal“, forderten andere Demo-Teilnehmer. Verbunden mit der klaren Botschaft: „48 Stunden sind 9 zu viel!“

Kanalschleusen und Büchereien, Müllabfuhr und kommunale Verwaltungen, Stadtwerke, Krankenhäuser und Kitas – es gab kaum einen Bereich des öffentlichen Dienstes, der gestern nicht von den Warnstreiks betroffen war. Auch eine Delegation des Kieler Theaters beteiligte sich am Demonstrationszug.

Mitarbeiter aus der städtischen Kita Butterberg in Rendsburg sind überzeugt, dass die Tarifforderung von Verdi und GEW ihre Berechtigung hat: „Wir sind es uns wert“ stand auf ihrem Transparent. Ähnlich sehen es die Kollegen, die im Eckernförder Schwimmbad ihren Dienst verrichten. „Wir sind es wert“ lautet ihre (fast) wortgleiche Botschaft.

In Kiel blieben die meisten der 35 städtischen Kita-Einrichtungen ganz geschlossen. Einige boten für „ihre“ Kinder Notdienste an. In der Landeshauptstadt wurden gestern auch keine Abfalltonnen geleert. Der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes Schleswig-Holstein, Wilfried Kley, nannte die Warnstreiks unter Hinweis auf die anstehende nächste Verhandlungsrunde überflüssig.

Diese Haltung attackierte die GEW-Landeschefin Astrid Henke gestern scharf: „Seit 53 Tagen gibt es kein Angebot der Arbeitgeber. Sendepause, obwohl die Steuereinnahmen bei Bund, Ländern und Kommunen sprudeln. Verweigerung, obwohl Fachkräfte fehlen – egal in welchem Beruf.“ Verdi-Sprecher Frank Schischefsky freute sich über die Resonanz, denn trotz der Osterferien kamen mehr Menschen als erwartet zur zentralen Demonstration. „Wir sind super zufrieden“, sagte Schischefsky.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen