Ausstellung im Flandernbunker : Zeitzeugen der Urkatastrophe

Unermesslicher Fundus:  Anja Manleitner mit den Feldpostbriefen, die Magnus Iwens als Soldat nach Hause schrieb.
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Unermesslicher Fundus: Anja Manleitner mit den Feldpostbriefen, die Magnus Iwens als Soldat nach Hause schrieb.

Die Ausstellung „Der Erste Weltkrieg und Kiel“ greift auf die Feldpost von Soldaten zurück, zeigt aber auch, wie seinerzeit die „Armierung“ der Stadt betrieben wurde. Die Eröffnung findet am Sonntag um 11.30 Uhr im Flandernbunker statt.

shz.de von
06. Juli 2018, 17:42 Uhr

Es war Verzweiflung über den grausamen Krieg, es war wahre Liebe – und heute ist es ein einzigartiger historischer Schatz. Gewissenhaft alle zwei Tage schrieb der Soldat Magnus Iwens während des Ersten Weltkrieges per Feldpost an seine Frau Emmi in Eckernförde. Die Tochter Ingelene Rodewald, 1922 geboren und heute 96 Jahre alt, hat sämtliche Briefe aufbewahrt. In der Sonderschau „Die Urkatastrophe – Der Erste Weltkrieg und Kiel“ erhält diese Feldpost eine zentrale Bedeutung. Die Ausstellung wird morgen im Flandernbunker eröffnet.

Jahrelang, seit 2014, hat sich der Verein Mahnmal Kilian im Flandenbunker an der Kiellinie 249 mit den unterschiedlichen Facetten des ersten großen Krieges der Moderne beschäftigt: mit der historischen Sicht, mit der Rolle der Kirche, mit der Lage an der „Heimatfront“ und mit der Aufgabe der Medien. Die Ergebnisse fließen jetzt ein in die finale Ausstellung.

Da geht es beispielsweise um die „Armierung Kiels“: Ein Ring von Festungen um die Förde herum sollte die Stadt angriffssicher machen, die allermeisten Einrichtungen wurde zu Beginn der 20er-Jahre geschleift. In diesen Zusammenhang fällt auch die erzwungene Umsiedlung des Fischerdorfes Ellerbek ins Landesinnere zu Beginn des 20. Jahrhunderts – man brauchte Platz für die großen Kriegswerften.

Eingebunden in die Ausstellung sind die Bundesmarine, die Emmaus-Kirchengemeinde in der Wik und das Büro des Landesbeauftragten für politische Bildung. Neben Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Gastgeber Jens Rönnau werden bei der offiziellen Eröffnung morgen um 11.30 Uhr auch Fregattenkapitän Alexander Koch, Pastor Michael Schwer und Christian Kniese den Bogen von 1914/18 in die Gegenwart schlagen. Sie allen sprachen bei der Vorbesichtigung von der „Verantwortung für den Frieden“ und von den Lehren aus der blutigen Geschichte.

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Begleitprogramm. Den Auftakt macht am 8. August ein Poetry Slam, gesucht werden die besten Texte zur Kieler Stadtgeschichte von 1914 bis 1918.

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