Zu lautes Jammern : Wollte 88-Jähriger seinen Zimmernachbarn töten?

Weil sein Zimmernachbar ihm zu laut war, soll ein 88-Jähriger in einem Norderstedter Pflegeheim (Kreis Segeberg) versucht haben, den Schwerstkranken zu töten. Seit Freitag muss sich der Senior vor dem Kieler Landgericht verantworten.

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09. Mai 2014, 16:09 Uhr

Kiel | Der Angeklagte ist selbst ein Pflegefall, saß im Gerichtssaal im Rollstuhl und konnte der Verhandlung nur eingeschränkt folgen. Die Anklage wirft ihm versuchten Totschlag im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit vor. In dem Verfahren geht es darum, ob der 88-Jährige dauerhaft in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden muss. Nach Angaben seiner Frau befindet er sich bereits in einem mit meterhohen Zäunen und Fenstergittern gesicherten Trakt der Fachklinik in Neustadt. Dort müsste er womöglich bleiben.

Der Beschuldigte war erst eine Woche vor der Tat nach einer Schulteroperation in das Pflegeheim gekommen. Dort beschwerte er sich über seinen Zimmernachbarn, der vor Schmerzen immer wieder gewimmert und gestöhnt haben soll. Am Abend des 17. Juni 2013 überraschte dann eine Mitarbeiterin des Heimes den 88-Jährigen, wie er dem Nachbarn ein Kissen auf das Gesicht drückte. Der Patient wurde noch gerettet, erlag aber zwei Wochen später seiner schweren Erkrankung. Das Gericht will seine Entscheidung voraussichtlich am 23. Mai verkünden.

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