KWG Wechselt Besitzer : Wohnungs-Verkauf besorgt Landeshauptstadt

Der „Gustav-Schatz-Hof“ , der jetzt auch verkauft wurde,  befindet sich auf dem Gelände der Ex-Pickertkaserne in Kiel-Gaarden  und  gilt als soziales Vorzeige-Projekt für Wohnen.
Der „Gustav-Schatz-Hof“ , der jetzt auch verkauft wurde, befindet sich auf dem Gelände der Ex-Pickertkaserne in Kiel-Gaarden und gilt als soziales Vorzeige-Projekt für Wohnen.

Der Immobilien-Riese Deutsche Annington hat die ehemals stadteigene Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) von der Vitus Gruppe gekauft. Dazu gehören etwa 9500 Wohnungen und gewerbliche Immobilien. Die Nachricht löste gestern Unruhe in Kiel aus.

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01. März 2014, 04:27 Uhr

Mieter in Kiel sind beunruhigt: Gestern wurde bekannt, dass der schon öfter in die Schlagzeilen geratene Immobilien-Riese Deutsche Annington rund 9000 Mietwohnungen in der Landeshauptstadt gekauft hat. Auch das integrative Wohn-Projekt „Gustav-Schatz-Hof“ in Gaarden ist davon betroffen. Die Wohnungen in dem Quartier mit rund 1500 Mietern gehören zum Teil der Frank-Gruppe, zum Teil der Kieler Wohnungsbaugesellschaft (KWG) – früher Stadteigentum, heute Teil der Vitus Gruppe, deren Kieler Portfolio geschluckt wurde.

Die Stadt reagierte prompt: Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) zeigte sich besorgt, teilte mit, dass er von der neuen Eigentümerin „regionale Verankerung und soziales Engagement“ erwarte sowie „die gute Zusammenarbeit mit der Stadt und das bisher gezeigte soziale Engagement der Kieler Wohnungsbaugesellschaft fortsetzt“.

Die Deutsche Annington ist Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, Sitz der Hauptverwaltung ist in Bochum. Eigentümerin ist die Londoner Private-Equity-Gesellschaft Terra Capital Partner. Das Unternehmen verfügte bisher laut Todeskino in Kiel über etwa 1 650 Wohnungen unter anderem in Mettenhof, Suchsdorf und Wellsee.

Mieter machen offenbar nicht nur gute Erfahrungen. So wurden Klagen über angeblich mangelhafte Instandhaltungen von Objekten bekannt. Mieterinteressen werden Berichten zufolge offenbar wegen eines angeprangerten starken Gewinnstrebens nicht genug berücksichtigt oder Nebenkostenabrechnungen erscheinen intransparent, wie Mietervereine beklagt haben. Die Deutsche Annington weist diese Vorwürfe stets zurück.

Der Konzern hat mit seinem Kauf mehr als 41 000 Wohnungen mit einer Fläche von mehr als 2,6 Mio. Quadratmetern von Vitus und Dewag erworben. Darin eingeschlossen ist das Vitus-Unternehmen Kieler Wohnungsbaugesellschaft mbH mit seinem gesamten Bestand an Immobilien (etwa 9 500 Wohnungen und gewerbliche Immobilien), wie die Stadt mitteilte. Allein das Vitus-Paket kostete das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 1,4 Milliarden Euro.

Die Landeshauptstadt hatte Todeskino zufolge bereits die Verhandlungen zwischen Deutscher Annington und Vitus mit „einiger Besorgnis verfolgt“, weil sich die ehemals stadteigene KWG nach dem Verkauf als „wichtiger und zuverlässiger, vor allem regional verankerter Partner der Stadt vor Ort gezeigt“ habe. Das Unternehmen sei bislang über den eigenen Wohnungsbestand hinaus sozial engagiert. Todeskino fordert von der Deutschen Annington unter anderem „den Erhalt des Unternehmenssitzes vor Ort, die Fortführung der Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Bestand, außerdem den Erhalt der Nachbarschafts-/Mietertreffs“.

Eine Sprecherin der Deutschen Annington sagte auf Anfrage dazu, das Unternehmen sei ein „ausdrücklich langfristig orientierter Vermieter“, der „umfassend in unsere Immobilien investiert“. Noch gestern habe man Kontakt zur Stadt Kiel aufgenommen, „um einen engen und konstruktiven Dialog aufzunehmen“.

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