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Hilfe statt Miete : Wohnpartner gesucht – die etwas andere Zimmer-Vermittlung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vor allem Studenten wollen gerne wenig für eine Unterkunft bezahlen. Das Projekt „Wohnen für Hilfe – Hand gegen Koje an Land“ bietet die Gelegenheit, bei Familien oder Alleinstehenden günstig oder sogar umsonst ein Zimmer zu bekommen. Im Gegenzug werden kleine Hilfestellungen im Alltag fällig.

shz.de von
erstellt am 11.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Als Anselm Müller-Busse den Weg in den Saal gefunden hat, steuert er zielstrebig einen der Tische an, an dem ein paar ältere Herrschaften sitzen. Neugierige Blicke treffen ihn: Ist dieser junge, elegant gekleidete Mann vielleicht ihr neuer Wohnpartner?

Anselm Müller-Busse ist 19 Jahre alt, kommt aus Eichede im Kreis Steinburg und hat vor kurzem in Bad Segeberg Abitur gemacht. Jetzt beginnt der Pastorensohn sein BWL-Studium an der Kieler Universität. Ihm fehlt nur noch die Unterkunft. Die Suche danach, hat er schon festgestellt, ist schwieriger als erwartet: „Ich habe das unterschätzt“, gibt Anselm zu. Von 3000 Wohnheim-Einheiten in Kiel sind 1700 Plätze zu Semesterbeginn bereits vergeben, „aber 2100 Studierende stehen auf der Warteliste“, sagt die Geschäftsführerin des Studentenwerks Schleswig-Holstein, Susann Schrader.

Die klassischen Wohngemeinschaften unter Studenten – die sind Anselm Müller-Busse oft zu teuer. Mehr als 250 Euro Warmmiete möchte er ungern für ein WG-Zimmer bezahlen. Er hat sich eine Hand voll WGs angesehen. Unter 280 Euro war nichts zu machen. Seine Hoffnung liegt nun, wie bei vielen anderen Studierenden, auf einem neuen Wohnprojekt des Studentenwerks. Günstiges Zimmer gegen Hilfe im Haushalt, so funktioniert die bereits erwähnte Wohnpartnerschaft. Darum treffen sich nun in den Räumen des Studentenwerks Wohn-Suchende und Wohn-Bietende – eine Art Schnuppertag und Vermittlungs-Börse. Suchende Studenten haben einen roten Button am Pullover, Zimmer-Anbieter einen grünen. Dazu gibt’s Kaffee und Kuchen, nette Gespräche und Tipps von erfahrenen Wohnpartnern, die für ihren Mut ein kleines Präsent vom Veranstalter erhalten.

Ein Ehepaar an Anselms Tisch bietet eine Ferienwohnung für zwei – allerdings in Aukrug, gut 50 Kilometer weit entfernt. Wie gut, dass die alleinstehende Helga Muhs (77) daneben sitzt. Sie sucht für sich und ihren gesundheitlich angeschlagenen Sohn in Stampe am Nord-Ostsee-Kanal einen jungen Wohnpartner. Ganz sicher ist sie sich aber noch nicht: „Eigentlich möchte ich schon etwas Miete bekommen“, sagt sie. Anselm bringt ihr einen Kaffee mit und nutzt die Gelegenheit, einen Tisch weiter zu ziehen.

Ergebnis des Tages: Zwei „sehr gute Gespräche“ und zwei Angebote für Anselm Müller-Busse. Gut möglich, dass er sich für 14 Tage Probe-Wohnen bei dem älteren Herrn entscheidet, der zentrumsnah in Kiel wohnt. „Ich bin sehr zufrieden, habe mich persönlich gut mit ihm verstanden“, sagt Anselm.

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