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Mietspiegel 2017 : Wohnen an der Förde wird teurer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ist die Wohnungsnot in Kiel ein Märchen? Ist die Mietpreisbremse sinnvoll? Der aktuelle Mietspiegel der Landeshauptstadt spaltet die Gemüter von Mieterverbänden und Vermietern.

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erstellt am 31.Mai.2017 | 11:21 Uhr

Das Wohnen in Kiel wird teurer. Das zeigt der aktuelle Mietspiegel der Landeshauptstadt. Mit einem neuen Auswertungsverfahren soll der Mietspiegel für das Jahr 2016 aussagekräftigere Ergebnisse als bisher liefern, erklärte Stadtrat Gerwin Stöcken. Beauftragt hatte die Stadt dafür das Gewos-Institut für Stadt- und Wohnforschung.

Nach dem aktuellen Mietspiegel ergibt sich für das Jahr 2016 eine durchschnittliche Nettokaltmiete von monatlich 5,79 Euro pro Quadratmeter für Bestandsmieten. Das entspricht einer Erhöhung von 4,6 Prozent in zwei Jahren – 2014 waren es 5,53 Euro. Mit 7,37 Euro ist der Quadratmeterpreis bei Neuverträgen im Vergleich zu 2014 um monatlich 22 Cent (3,1 Prozent) gestiegen. 8,49 Euro Kaltmiete kostet der Quadratmeter in einer Studentenbude mit 25 Quadratmetern. 6,85 Euro zahlt der Mieter einer 120 Quadratmeter großen Wohnung in Kiel.

Wladimir Müller von Gewos sagte: „Der Mietspiegel ist ein Instrument um zu vergleichen, was ortsüblich für Miete gezahlt wird.“ Er schütze das bestehende Mietverhältnis, denn: „Der Vermieter darf die Miete nicht wesentlich über dem ortsüblichen Niveau erhöhen.“

Mit einer Mieterumfrage und den Daten von Kieler Wohnungsunternehmen stützte sich die Erhebung des Gewos-Instituts auf zwei Säulen. Die Mieterumfrage erwies sich jedoch als problematisch. „Die Menschen sind befragungsmüde“, sagte Müller. Die Umfragebedingungen waren für die Teilnehmer allerdings auch nicht besonders komfortabel, sollte der Mietvertrag immerhin höchstens vier Jahre alt sein und das Interview in den betroffenen vier Wänden stattfinden. So hatten lediglich 735 von 40  000 angeschriebenen Mietern an der Befragung teilgenommen.

Neben der Einteilung in drei Wohnlagenzonen und sieben Baualtersklassen (vorher: drei) der Wohnungen berücksichtigt der Mietspiegel die Ausstattung von Küche und Bad sowie die Energetik des Objekts. „Mit dem neuen Verfahren können wir Wohnungen bis 120 Quadratmeter und Wohnlagen außerhalb der Stadt abbilden“, erklärte Müller.

Carsten Wendt vom Kieler Mieterverein: „Wir sind sehr dankbar, dass es den neuen Mietspiegel gibt. Im Vorherigen waren viele weiße Flecken.“ Trotzdem gaben die aktuellen Zahlen auch Anlass zur Kritik: „Eine Mietpreissteigerung von bis zu 20 Prozent, in Einzelfällen sogar darüber, sehen wir mit Sorge.“ So forderte Wendt, dass sich die Stadt Kiel zum Thema Kappungsgrenze – einer Mieterhöhung bis maximal 15 Prozent innerhalb von drei Jahren – äußern sollte. Während sich auch Paola Weber vom Eigentümerverein Haus und Grund und Björn Petersen vom Immobilienverband mit dem Mietspiegel 2017 weitestgehend zufrieden erklärten, fand Klaus Schütt von Hans Schütt Immobilien klare – kritische – Worte: „Ich bin sehr traurig darüber, dass ich meine Zustimmung zu dem Mietspiegel nicht erteilen kann.“

Denn die Daten, so der Vorwurf des Geschäftsleiters der Immobiliengesellschaft, seien unvollständig und lieferten kein hinreichendes Bild des Kieler Wohnungsmarktes. „Genossenschaftliches Wohnen ist überhaupt nicht berücksichtigt worden, das verfälscht das Ergebnis.“ Auch Diskussionen über erhöhte Mieten stießen bei ihm auf Unverständnis. „14 Jahre lang gab es in Kiel keine Mietsteigerung trotz Inflation, gestiegener Kosten und Löhne.“ Erst beim Blick auf die Mietpreisentwicklung der letzten zwei Jahre sei Panik ausgebrochen, kritisiert Schütt. Die daraus folgenden regulatorischen Eingriffe wie die Mietpreisbremse erfolgten darum auf „völlig unzulänglicher Basis“. Debatten um Wohnungsnot in Kiel – für Klaus Schütt haltlos. Eigene statistische Erhebungen seines Unternehmens hätten gezeigt, dass im vergangenen Jahr mehr als 14 Prozent der Mieter ihre Wohnung gewechselt hätten, 2013 waren es demnach sogar über 19 Prozent. „Diese Fluktuation ist ein starkes Indiz dafür, dass der Wohnungsmarkt funktioniert“, ist Klaus Schütt überzeugt. Für Bestandsmieten sei der aktuelle Mietspiegel „wunderbar“, mit Blick auf die Mietpreisbremse seien die Daten aber „völlig ungeeignet“.

Zu den steigenden Mieten sagte Daniel Hofmann (Gewos): „Kiel war lange Zeit im Windschatten der Ballungsgebiete außerhalb Schleswig-Holsteins. Jetzt hat die Konzentration auf die Innenstadt auch die Landeshauptstadt erreicht.“

Auf www.kiel.de können Mieter und Vermieter mit dem Mietspiegelrechner die ortsübliche Vergleichsmiete für ihre Wohnung ermitteln.

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