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MFG-5-Gelände : Wohin mit den Flüchtlingen in Kiel?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt prüft MFG-5-Gelände und weitere Containerflächen, denn immer mehr Flcühtlinge kommen nach Kiel.2015 werden allein 800 Flüchtlinge erwartet. Auch das Land sucht Orte für eine Zweigstelle für Neumünster. Kiel ist hierfür im Gespräch. Meinungen gespalten.

Mehr als 900 Flüchtlinge leben derzeit in Kiel – mit weiteren 500 rechnet die Stadt bis Jahresende. Die Plätze in den Gemeinschaftsunterbringungen sind alle belegt, auch die aufgestellten Container werden immer voller, der Wohnungsmarkt gestaltet sich schwierig – erst recht, wenn zum Wintersemester zusätzlich zahlreiche Studenten eine Bleibe in der Landeshauptstadt suchen.

Von einem „erheblichen Unterbringungsdruck“ spricht die Verwaltung. Derzeit würden alle in Betracht kommenden Möglichkeiten geprüft – auch die leer stehenden drei Kasernengebäude am Schusterkroog, die zum ehemaligen Gelände des Marinefliegergeschwaders (MFG) 5 gehören, wie Sozialdezernent Gerwin Stöcken bestätigt: „Die Häuser sind, soweit ich das beurteilen kann, okay. Klar ist, wir brauchen externe Wasser- und Abwasserleitungen. Das müssen wir bauen, ebenso die sanitären Anlagen erneuern.“ Lediglich ein neuer Anstrich müsste her, gegebenenfalls auch räumliche Veränderungen. Neben einstigen Sechs-Mann-Zimmern gebe es dort auch einstige Offiziers-Einzelzimmer.

Gespräche mit der Bima (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) laufen. Bestenfalls, so Manfred Wagner vom Amt für Wohn- und Grundsicherung, könnten die Gebäude zum Jahresende bezugsfertig sein. Denn bis dahin halte sich Kiel mit Ersatzwohnungen und der Containerlösung über Wasser. Parallel werde vom Stadtplanungsamt geprüft, auf welchen weiteren Flächen Container stehen könnten. Wagner: „Eines steht fest, wenn die Menschen zu uns kommen, müssen wir sie aufnehmen und unterbringen. Notfalls auch in Zelten.“

Genau das will Gerwin Stöcken verhindern, weshalb er sich im gestrigen Sozialausschuss für die Prüfung der Kasernen aussprach. Und nicht nur die Stadt schaut auf leere Liegenschaften der Bundeswehr – auch das Land (wir berichteten). Hinter vorgehaltener Hand erzählt man sich im Rathaus, dass auch das Land Interesse am MFG-5-Gelände hat, um dort eine Zweigstelle der übervollen Flüchtlingsunterkunft Neumünster einzurichten. Platz genug wäre, denn Kiel plant – laut Wagner – nur eines der insgesamt drei Gebäude für bis zu 300 Menschen zu nutzen. Aus dem Innenministerium heißt es dazu: „Es wird überall nach geeigneten Orten gesucht aber es steht alles erst am Anfang.“ Gespräche mit der Bundeswehr oder „intensive Gespräche“ mit Kommunen hätten noch nicht stattgefunden.

Einen Vorteil hätte die Zweigstelle laut Wagner für Kiel: Flüchtlinge auf der Durchreise und aus den dezentralen Unterkünften würden zusammengezählt, sodass die Zuweisung insgesamt weniger wird und Kiel weniger Flüchtlinge unterbringen müsste als derzeit. Denn mehr Flüchtlinge bedeuten auch mehr Kosten und mehr Personal – allein in diesem Jahr wurden insgesamt sechs neue Stellen dafür geschaffen.

Bleibt alles wie bisher, rechnet Manfred Wagner 2015 mit mindestens 800 neuen Flüchtlingen. Die Rathausfraktionen sehen der MFG-5-Lösung gespalten entgegen: Die FDP bezeichnet die Idee der Verwaltung als „gettoisierend“ und „peinlich“. Auch die Grünen sind skeptisch: „Eine isolierte Lage von Flüchtlingen verschiedenster Herkunft ist nicht gut ist.“ Jan Wohlfahrt, innenpolitischer Sprecher der CDU, bringt es auf den Punkt: „Wir haben riesige Probleme und keine bessere Lösung.“ Auch Ausschussvorsitzender Thomas Wehner (SPD) will „das Prinzip der dezentralen Unterbringung“, aber es sei wichtig, alle Möglichkeiten zu prüfen.

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erstellt am 29.Aug.2014 | 04:20 Uhr

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