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Witwe zieht Kapellenbau zurück – Schilksee überrascht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 05:36 Uhr

Die Schilkseer Bürgerinitiative hat ihr Ziel erreicht: Die Kapelle kommt nicht. Trotzdem bricht kein Jubel aus. 2500 Unterschriften haben die Bürger gesammelt und sich gegen die Erinnerungskapelle auf der sogenannten „Kuhwiese“ im Landschaftsschutzgebiet ausgesprochen. Sie verliehen ihrer Einstellung sogar nochmal Nachdruck auf der jüngsten Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend, zu der mehr als hundert Besucher kamen.

Gemeinsam mit dem Vorstand formulierten die Bürger ihre Fragen, die die Verwaltung zur ursprünglich im Februar geplanten Informationsveranstaltung beantworten sollte. Die Fragen reichten von der Suche nach Alternativstandorten, zu laufenden Kosten für die Stadt, den Sinn der Kapelle bis hin zur Frage, welche religiöse Gemeinschaft den Sakralbau weihen soll. Neben der Verwaltung wurde auch Fernanda von Oppersdorff über die hitzige Diskussion der Schilkseer informiert. Sie zog gestern Nachmittag als Vertreterin des Hinterbliebenenvereins der Opfer des Absturzes des Air-France-Fluges AF 447 die Konsequenzen: „Ich verstehe, dass die Errichtung einer Gedenkstelle mit den Menschen vor Ort besprochen werden muss. Deshalb habe ich das Projekt gemeinsam mit der Verwaltung im Dezember im Ortsbeirat Schilksee vorgestellt. In der gestrigen Sitzung des Ortsbeirats Schilksee sind Fragen aufgeworfen worden, die geeignet sind, die Würde der Opfer und Hinterbliebenen zu verletzen und die Reputation Oscar Niemeyers zu beschädigen. Die öffentliche Resonanz der letzten Wochen hat mich bewogen, von Kiel als Standort für den Bau der Erinnerungskapelle Abstand zu nehmen.“

Christoph Holst, Vorsitzender des Ortsbeirates, ist „sehr traurig“: „Ich finde es schade, dass offensichtlich keine richtige Bürgerbeteiligung gewünscht war. Zumindest ist die durch das Verhalten der Bürgerinitiative konterkariert worden.“ Auch Bürgermeister Peter Todeskino drückte sein Bedauern aus, wollte aber kein Statement dazu abgeben.

Die Bürgerinitiative (BI) hat erreicht, was sie wollte: „Keine Kapelle im Landschaftsschutzgebiet“, lautete ihre Forderung. Doch Zufriedenheit klingt anders. Gesine Stück (SPD) von der BI: „Es tut mir leid, dass es so gelaufen ist. Wir wollten es auf Null drehen und waren bereit, gemeinsam nach Alternativstandorten suchen.“ Stück habe bereits vor zwei Jahren, als sie von Todeskino ins Vertrauen gezogen wurde, angemerkt, dass sie sich eine Kapelle dort gar nicht vorstellen kann. „Dass er trotzdem nichts anderes gesucht hat, wollte mir nicht in den Kopf.“ Schilkseer Martin Mokrus, der für die Rechtsfragen bei der BI zuständig war, freut sich, dass der vierwöchige, nervenzehrende Kampf ein erfolgreiches Ende hat: „Wir müssen Todeskino zur Räson bringen, damit er sich auf die rechtlichen Möglichkeiten besinnt. Es kann nicht sein, dass er schaltet und waltet wie er will.“

In Strande stehe die Tür für das Vorhaben hingegen offen, wenn es an die Gemeinde herangetragen würde, sagt Bürgermeister Dr. Holger Klink. Bislang sei das jedoch noch nicht passiert. „Die Bülker Huk wäre ein idealer Standort, böte sich doch von der Kapelle der freie Blick aufs Meer – wo viele Menschen seebestattet werden.“

Doch für Moritz Kocks Witwe Fernanda von Oppersdorff ist nach der langen Debatte eins klar: „Kiel ist als Standort gestorben.“


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