Gegründet im Kriegsjahr 1918 : Wissensdurst zum Abendbrot

Die leuchtenden Linoldrucke haben Elmshorner Elsa-Brändström-Schüler nach dem Vortragsprogramm der SHUG umgesetzt. Sektionsleiterin Cornelia Kaiser freut sich darüber mit dem SHUG-Präsidenten Martin Skarubbe (links) und dem Wissenschaftlichen Leiter Ludwig Steindorff.
Die leuchtenden Linoldrucke haben Elmshorner Elsa-Brändström-Schüler nach dem Vortragsprogramm der SHUG umgesetzt. Sektionsleiterin Cornelia Kaiser freut sich darüber mit dem SHUG-Präsidenten Martin Skarubbe (links) und dem Wissenschaftlichen Leiter Ludwig Steindorff.

Bildungsarbeit überall im Lande: Die Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft feierte gestern ihr 100-jähriges Bestehen. Ihre gut 400 Vorträge finden jährlich über 20 000 Zuhörer. Und für die Schulen gibt es ein eigenes Programm.

shz.de von
08. Juni 2018, 19:18 Uhr



Unruhige Zeiten waren es damals, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs. Im Sommer 1918 gründete sich in Kiel die Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft. Gestern im Audimax feierte die SHUG ihr 100-jähriges Bestehen. Das Lob der Festredner fiel überschwenglich aus. Aus gutem Grund: Mit ihrer flächendeckenden Bildungsarbeit, mit ihrem Anspruch, Forschung und Wissenschaft dem breiten Publikum vertraut zu machen, gilt die SHUG als ziemlich einzigartig in der Bundesrepublik.

Dabei war der Anspruch zunächst ein ganz anderer. Weil in den Kriegszeiten eben kein Verlass mehr war auf Staat und Kaiser, verstand sich die SHUG anfänglich als reine Fördergesellschaft. Finanzkräftige Sponsoren wollte man werben, um das ersehnte Seminargebäude doch noch hochziehen zu können. „Es waren die letzten Tages alten Europa“, betonte Professor Ludwig Steindorff, Historiker und zugleich Wissenschaftlicher Leiter der SHUG.

Aber schon bald – mit der ersten Universitätswoche 1921 im nördlichen Flensburg – begann jene Arbeit, die heute prägend ist für die SHUG: Erwachsenenbildung überall im Lande, später ergänzt durch regelmäßige Vorträge an den Schulen.

Wie SHUG-Präsident Martin Skarubbe erklärte, zählte die Gesellschaft vor dem Machtantritt der Nazis 1933 stolze 12 100 Mitglieder und Gönner. Die Briten sahen in der SHUG nach dem Krieg eine demokratische Organisation, die den braunen Spuk aus den Köpfen der Menschen vertreiben konnte. Bildungsministerin Karin Prien sprach von einem „Wissenstransfer mit hoher Bedeutung“. Und klar ist für sie auch: „Forschung braucht Sichtbarkeit.“ Diese Aufgabe leiste die SHUG vorzüglich, mit ihrem Programm „Uni kommt an die Schule“, mit ihren jährlich gut 400 Vorträgen, die zusammen 20 000 Menschen erreichen.

Mit der SHUG als „Brücke zwischen Universität und Land“ beschäftigte sich auch Professor Albert Meier in seinem Festvortrag unter dem Titel „Wissenschaft und Abendbrot“. Ähnliche Worte fand Uni-Präsident Uni-Präsident Lutz Kipp. Für ihn gilt es in Zeiten von Fake-News die Lücke zu schließen zwischen „dem, war wir wissen, und dem, was wir tun“.

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