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Kiel : Wird der ZOB erst im Spätsommer abgerissen?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eigentlich sollte der Zentrale Omnibusbahnhof beim Hauptbahnhof in Kiel im Frühjahr abgerissen werden. Doch jetzt will die Verwaltung erst grünes Licht von der Politik. Es geht um zwei Baufelder, die Planung ist komplex.

Kiel | Ein Millionenprojekt in der Warteschleife: Der Abriss und Neubau des maroden Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) beim Hauptbahnhof ist in Kiel Dauerthema – doch im vergangenen August wurde es endlich konkret. Für dieses Frühjahr hatte das städtische Tiefbauamt den Start der Abrissarbeiten angekündigt. Das wird nun so schnell nichts. Details und Fragen – etwa organisatorischer und finanzieller Art – sind noch zu klären.

Auch die Kommunalpolitik soll noch ein Wörtchen mitreden dürfen: „Wir wollen uns von der Politik erst das ‚Go‘ für das Gesamtpaket holen“, sagte Projektkoordinator Udo Weißel vom Tiefbauamt. Einen konkreten Termin könne er daher nicht nennen. „Wir stecken in der letzten Phase der Entwurfsbearbeitung für den Neubau, bereiten den Bauantrag vor“, sagte Weißel. Im Frühjahr solle der Entwurf im Bauausschuss vorgestellt werden. Dann könnten die Arbeiten ausgeschrieben werden. „Wenn wir den Beschluss haben, können wir im Sommer oder Spätsommer loslegen“, so Weißel.

Das Gesamt-Projekt ist komplex. Denn es geht um die Entwicklung eines in zwei Baufelder eingeteilten Grundstücks an der Kaistraße. Auf dem größeren Feld (4370 Quadratmeter) baut die Stadt Kiel den neuen ZOB mit großem Parkhaus (siehe Visualisierung), Bauherr ist der Eigenbetrieb Parken. Auf dem angrenzenden Baufeld I (3200 Quadratmeter) will die Bremer Zech-Gruppe einen sechsgeschossigen Neubau realisieren, in dem unter anderem ein Hotel mit Tiefgarage entstehen soll. Es soll den bestehenden, ebenfalls zur Gruppe gehörenden Vier-Sterne-Betrieb des „Atlantic-Hotels“ um ein Haus niedrigerer Kategorie ergänzen.

Informationen unserer Zeitung zufolge handelt es sich dabei um eine Zwei- bis Drei-Sterne-Klasse unter neuer Marke, die die Gruppe in ihrem Portfolio aufbauen will. Pressesprecher Holger Römer hielt sich bedeckt: „Wir sind in Gesprächen und der Meinung, einen attraktiven Mehrwert bieten zu können. Wir hoffen, dass wir den Zuschlag bekommen.“ Noch müsse geklärt werden, welche zusätzliche Nutzung die Immobilie haben soll – Wohnungen, Praxen, Büros? Knackpunkt: Die Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft (KiWi), welche die Verhandlungen führt, spricht von einem Grundstücks-Verkauf mit Bauverpflichtung. Die Nutzungsart werde dem Investor vorgeschrieben.

Doch noch ist das Grundstück nicht verkauft. Und der Erlös, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde, ist bereits für eine Anschubfinanzierung des ZOB-Neubaus eingeplant. KiWi-Geschäftsführer Peter Beckmann zeigte sich auf Nachfrage aber zuversichtlich, dass der Verkauf an die Zech-Gruppe „zeitnah in 2014“ erfolgen kann.

Und dann sind da noch die Busse. Während der Bauarbeiten muss der ZOB-Betrieb ausgelagert werden. Reisebusse etwa sollen unter der Gablenzbrücke parken. Doch dieser Parkplatz ist noch gar nicht fertig. Für rund eine Million Euro baut die Stadt Kiel derzeit daran. Die Fläche an der Kaistraße hinter dem Hauptbahnhof soll nach Auskunft einer Pressesprecherin je nach Witterungslage voraussichtlich bis Mitte Mai fertiggestellt sein. Die Arbeiten dazu hatten Anfang Oktober letzten Jahres begonnen. Ursprünglich sollte der Parkplatz bis zum Winter fertig gebaut sein. Die Ausschreibung hatte sich nach Auskunft von Udo Weißel aber verzögert.

All diese Teil-Projekte zu koordinieren, in eine zeitlich möglichst parallele Fertigstellung zu bringen –das ist die Herausforderung für die Stadt. Ebenso wichtig: Die Zeit zwischen Abriss und ZOB-Neubau samt Parkhaus möglichst kurz zu halten. Denn je länger dies dauert, desto mehr Einnahmen fehlen. Und manchmal kann auch eine untergeordnet wirkende Frage aufhalten, wie Peter Beckmann von der KiWi erläuterte: Wohin können die „Atlantic“-Hotelgäste während der Bauphase mit ihren Autos ausweichen? Immerhin 150 Stellplätze sind dafür noch im alten ZOB-Parkhaus reserviert – und die fallen für etwa ein Jahr weg. Beckmann bleibt optimistisch: „Im Kern können die Bagger anrollen.“

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erstellt am 22.Jan.2014 | 06:43 Uhr

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