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Weihnachtsmarkt und Tiefgarage : Wirbel um die „gute Stube der Stadt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Trotz Kritik – Der Kieler Bauausschuss gibt grünes Licht für Investoren: Unternehmer aus Kiel und Hamburg prüfen eine Tiefgarage unterm Rathausplatz und planen einen zweiten Weihnachtsmarkt.

Große Ideen für den Kieler Rathausplatz: ober- und unterhalb der „guten Stube der Stadt“ könnte sich in Zukunft einiges bewegen. Und zwar sprichwörtlich. So haben Investoren aus Kiel Pläne vorgelegt, unter dem Platz eine Tiefgarage zu bauen – und rennen damit offene Türen ein. Nachdem bereits die Verwaltung ihr Wohlwollen signalisiert hat, hat jetzt auch der Bauausschuss einstimmig für eine Anhandgabe an die Projektentwickler gestimmt. Sie sollen ein Jahr lang exklusiv die Verwirklichung und Finanzierung prüfen können.

Zudem wollen Unternehmer aus Hamburg auf der rund 3000 Quadratmeter großen Fläche erstmals ab November einen zusätzlichen Weihnachtsmarkt etablieren. Das nordische „Weihnachtsdorf“ mit Wichteln als Maskottchen soll aus 60 Hütten mit Kunsthandwerk und Gastronomie sowie zwei urigen Schankhäusern bestehen. Auch hier applaudiert die Verwaltung. Trotz anfänglich vieler Fragen gab der Bauausschuss auch für dieses Vorhaben mehrheitlich grünes Licht. Letztes Wort hat allerdings in beiden Fällen die Ratsversammlung am kommenden Donnerstag. Und eines steht schon jetzt fest: Die Projekte sorgen für Furore. Denn neben Befürwortern melden sich auch Kritiker zu Wort.

Im Detail: Für das Tiefgaragen-Projekt unter dem Rathausplatz hat die Norddeutsche Grundstücksentwicklungsgesellschaft (NGEG) Interesse angemeldet. Die NGEG entwickelt derzeit auch das Wohnprojekt Schlossquartier in der Altstadt (wir berichteten). Bereits 2006 hatte der Kieler Rat anderen Investoren eine Möglichkeit der exklusiven Projektprüfung ermöglicht. Auch wenn nichts daraus wurde – dabei ist laut Bürgermeister Peter Todeskino herausgekommen, dass sogar eine zweigeschossige Garage machbar ist. Die Stadt verspricht sich von einem neuen Anlauf die Sicherstellung der Erreichbarkeit der Altstadt durch mehr Parkraum, der durch andere Bauarbeiten entfällt. Todeskino schwebt gar ein direkter Tiefgaragen-Zugang zu Opern- und Rathaus vor. Falls ein derartiger Parkhaus-Bau auch eine Umgestaltung der Rathausplatz-Oberfläche bedeuten könnte – wegen aktuell mangelnder Barrierefreiheit liebäugelt die Stadt auch damit – müsste ein internationaler Architektenwettbewerb ausgelobt werden.

Spätestens jetzt kommt der Architekt ins Spiel, der den Platz 1970 im Vorfeld der Olympischen Spiele von 1972 gestaltet hat – mit Auszeichnung. Prof. Peter Hense (77) hat bereits verlauten lassen, dass er als Urheber ein Wörtchen mitreden möchte – und behält sich rechtliche Schritte vor. Todeskino bekräftigte im Bauausschuss: „Wir werden den Urheber einbeziehen.“

Projekt Weihnachtsdorf: Die Hamburger AG Grandezza Entertainment/epa Events Promotion, die auch in Hamburg am Gänsemarkt und am Rathaus Weihnachtsmärkte veranstaltet, möchte auf eigene Kosten für fünf Jahre in Kiel richtig auftrumpfen. In den ersten zwei Jahren verlangt sie aber aufgrund „erheblicher Investitionen“ (Verwaltung) eine Befreiung von der Gebührenpflicht. Dadurch würden der Stadt etwa im Jahr 84  000 Euro entgehen. Aus Sicht von Todeskino ist dies dennoch „fair“, würde man doch auch den bereits etablierten Schaustellern des öffentlich veranstalteten Weihnachtsmarkts auf dem Holstenplatz bei etwaigen Investitionen entgegenkommen. Außerdem könne die Landeshauptstadt ein erweitertes Angebot in der Vorweihnachtszeit gebrauchen, „um neue Besucherpotentiale anzusprechen“ und im norddeutschen Wettbewerb einen „herausragenden neuen Akzent zu setzen“. Derzeit stimmen Stadtwerke und Kiel-Marketing einen möglichen anderen Standort oder eine zeitliche Verschiebung für die Eisbahn ab, die sonst ab November auf dem Rathausplatz steht.

„Wir fürchten keine Konkurrenz“, sagte indes der Vertreter des Beirates des Kieler Weihnachtsmarktes, Hans-Peter Nissen, im Bauausschuss. Doch er forderte „Chancengleichheit“ und einen Neubeginn – ab 2017: „Wir müssen unsere 80 Stände neu gestalten und aufmotzen“. Das sei eine Investition von 550  000 Euro. Der Ausschuss ging in der Abstimmung nicht näher darauf ein.



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erstellt am 05.Mär.2016 | 06:13 Uhr

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