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Notquartier für Transitflüchtlinge : „Wir haben hier viele Fremde“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt kann Markthalle und das benachbarte C&A-Haus schließen: Ab heute stehen in der traditionell gastfreundlichen Jugendherberge den in Kiel gestrandeten Transitflüchtlingen 25 Betten in Notquartieren zur Verfügung.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 19:20 Uhr

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, die Notquartiere eingerichtet: Ab heute können bis zu 25 Transitflüchtlinge in der Jugendherberge auf dem Kieler Ostufer untergebracht werden. Das Angebot gilt vorerst bis Juni. Herbergsleiter Helmut Behnke gibt mit seinem Angebot der Stadt die Möglichkeit, die große Markthalle am Bootshafen und das benachbarte C&A-Haus zu schließen. Hier waren in den vergangenen Monaten alle Flüchtlinge untergekommen, die am nächsten Tag die Schiffspassage nach Schweden buchen oder den Zug nach Dänemark nehmen wollten.

Der Bedarf an Notbetten ist aktuell drastisch gesunken. Waren es im Herbst täglich noch mehrere hundert Flüchtlinge, die spätabends in Kiel standeten, sind es heute nicht einmal mehr ein Dutzend Syrer, Afghanen, Iraker oder Eritreer. Dafür reicht die Kapazität der Jugendherberge allemal aus. In den Zimmern können sowohl Familien wie auch alleinreisende Männer untergebracht werden. Sie erhalten spätabends eine warme Suppe plus Fladenbrot und morgens ein Frühstück – danach aber müssen sie wieder ihr Bündel schnüren.

Ausdrücklich nach Absprache mit der Stadtverwaltung sind die Räume als reine Notquartiere ausgewiesen, die 25 Flüchtlingskojen gehören nicht zum Standard-Angebot der Herberge mit ihren insgesamt 260 Betten. Wer eine zweite Nacht in Kiel einlegen möchte, steht in Gaarden vor verschlossener Tür. Er wird an die Erstaufnahmeeinrichtung auf dem Norder verwiesen.

„Die Flüchtlingen werden wie normale Gäste behandelt“, stellt Behnke klar, der in der Vergangenheit auf Bitten der Stadt immer wieder mal unbegleitete Jugendliche aufgenommen hatte. Wer sich nicht an die Regeln hält, kann schnell rausfliegen. Das passierte vor ein paar Wochen einem heranwachsenden Syrer, der trotz ausdrücklichen Verbots im Zimmer rauchte und in einer einzigen Nacht gleich für zwei Feuerwehr-Einsätze sorgte.

Das friedliche Miteinander unabhängig von Nationalität, Religion oder Geschlecht gilt im internationalen Jugendherbergswerk als selbstverständlich. „Wir haben hier viele Fremde“, verweist Behnke auf die traditionell umfangreiche Besucherliste seines Hauses. Er fügt hinzu: „Alle sind willkommen.“ Bei Bedarf stehen ihm von Seiten der Stadt Dolmetscher und Asyl-Betreuer zur Verfügung. Der Herbergsleiter spricht von sozialer Verantwortung gegenüber den Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen. Er ist stolz, dass er zu einer Leistung beitragen kann, die Kiel von vielen anderen Städten unterscheidet. Nicht nur in Hamburg wurden Zelte aufgebaut – an der Förde aber haben alle Flüchtlinge ein festes Dach über dem Kopf erhalten.  

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