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Sozialdezernentin : „Wir brauchen mehr Krippenplätze“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Renate Treutel ist neue Sozialdezernentin in Kiel. Sie sieht den Ausbau der Betreuungsplätze für Krippen- und Schulkinder als größte Herausforderung an – aber auch Frühe Hilfen sind für sie wichtig.

Kiel Renate Treutel (51) ist neue Dezernentin für Bildung, Jugend und Kreative Stadt im Kieler Rathaus. Sie selbst hat über den zweiten Bildungsweg ihre Berufung gefunden, Sozialpädagogik studiert und sich von Führungspositionen in der Jugendhilfe bis ins Rathaus gearbeitet.


Frau Treutel, Sie haben vor Ihrer Wahl zur Stadträtin das Amt für Schule, Kinder- und Jugendeinrichtungen geleitet. Was ist Kiels größtes Problem in diesem Bereich, den Sie nun verantworten?
Der Ausbau der Kindertages-Betreuung, aber auch der Ausbau der Betreuung für die Schulkinder. Der Bedarf an Plätzen ist wesentlich höher, als das was wir haben. Derzeit liegen wir bei U3 (der Betreuung von unter Dreijährigen) bei 38,7 Prozent, der Bedarf liegt in den größeren Städten aber bei ca. 60 Prozent. Und wir wissen schon heute, dass Eltern, die ihre Kinder in die U3-Betreuung geben, auch in der Schulzeit einen Betreuungsplatz brauchen.

Wie will man das wachsende Problem lösen? Jeden Monat feiern rund 350 Kinder in Kiel ihren ersten Geburtstag. Die Nachfrage wird also steigen.
Den Ausbau zu schaffen, ist ein immenser finanzieller Kraftakt für alle Kommunen. In Kiel kostet uns das derzeit 90 Millionen Euro mit wachsender Tendenz. Es gibt verschiedene Wege, das Problem anzugehen – wir nutzen sie alle. Einerseits bauen wir die Tagespflege aus, um ein zusätzliches Angebot zur Krippe zu schaffen. Im Elementarbereich decken wir den Bedarf eigentlich ganz gut ab. Und bei der Schulkindbetreuung sind wir dabei, den Hort an die Schule zu verlagern, um die Räume des Hortes für die Krippe nutzen zu können. Doch dafür muss erst wieder die nötige Infrastruktur geschaffen werden. Die Kinder müssen verpflegt werden können, wir denken über Doppelnutzungen der Räume nach – morgens Unterricht, nachmittags Betreuung. Aber neben den räumlichen Voraussetzungen ist der Fachkräftemangel das zweite Problem. Das spüren wir als Stadt und auch alle anderen Träger.

Wenn Sie sich etwas wünschen könnten: Wie sähe Schule in Kiel dann aus?
Alle Schulen wären in einem baulich guten Zustand und wir haben neben den guten Betreuungs- und Beratungsangeboten für Kinder ebenso tolle Angebote für die Eltern. Wir merken, dass Eltern in bestimmten Lebensphasen ihrer Kinder gern noch Unterstützung bekommen würden. Die Angebote gibt es zwar verstreut in der Stadt, aber warum bündeln wir sie nicht und machen Schule wieder zu einem Ort, an dem Familien Antworten auf all ihre Fragen bekommen.

Wie haben sich Jugendliche verändert und welche Probleme haben sie heute?
Die Wahlmöglichkeiten für Jugendliche haben sich verändert. Das ist großartig, aber diese vielen Möglichkeiten können die Jugendlichen nur als Gewinn wahrnehmen, wenn sie die nötigen Kompetenzen haben, auszuwählen und dabei unterstützt werden. In bildungsfernen Familien besteht die Gefahr, dass sie sich gar nicht erst die Möglichkeiten erschließen können, die sie haben.

Wie kann man da vorbeugen?
Wir brauchen so früh wie möglich genügend Förderung und Unterstützung durch die Bildungseinrichtungen. Deswegen liegen uns ja auch schon die ganz Kleinen am Herzen, damit sie gefördert werden. Deshalb sind wir gerade mit vielen Partnern an der Konzeptentwicklung der „Frühen Hilfen“ in Kiel.

Sie sind für die Kreative Stadt zuständig. Welche Aufgaben warten auf Sie?
Ich freue mich sehr darauf, denn es ist ein total junges Aufgabengebiet. Ein großes Feld ist die lokale Ökonomie und Quartiersentwicklung zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft. Da gibt es viel zu gestalten: am Ort der einstigen Muthesius Hochschule, in der Wik, an der Schwentinemündung und in Gaarden. Es gilt die Verbindung zur Wirtschaft zu halten und es ist mein Ziel durch die Anbindung an Bildung und Jugend das was wir haben attraktiver zu machen und noch mehr positive Effekte zu erzielen.

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erstellt am 23.Mai.2014 | 06:35 Uhr

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