Mut machen : „Wir brauchen Gründerinnen“

Auf der Suche nach Gründerinnen: Susann Dreßler (l.) und Anke Rasmus wollen weibliche Selbstständigkeit „sichtbarer“ machen und damit Vorbilder für Unentschlossene schaffen.
Auf der Suche nach Gründerinnen: Susann Dreßler (l.) und Anke Rasmus wollen weibliche Selbstständigkeit „sichtbarer“ machen und damit Vorbilder für Unentschlossene schaffen.

Gemeinsam wollen Universität und Investitionsbank Frauen ermuntern, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Der weibliche Anteil an Unternehmensgründungen ist vergleichsweise niedrig – was möglicherweise an einem fehlenden Netzwerk liegt.

shz.de von
24. Juli 2018, 12:26 Uhr



Es sind wohl schätzungsweise 7000 Unternehmen im Lande, die in den nächsten Jahren, wenn der Alt-Besitzer in Rente geht, einen Nachfolger suchen. Doch der Reiz der Selbstständigkeit sinkt beständig. Weshalb die Christian-Albrechts-Universität (CAU) und die Investitionsbank (IB) in einer eigenen Veranstaltungsreihe vor allem die Frauen aufklären wollen. Ihre Botschaft an die potenziellen künftigen Unternehmerinnen: „Du bist nicht allein!“

Weshalb Frauen als Unternehmensgründerinnen oder -nachfolgerinnen mit einem Anteil von knapp einem Drittel deutlich unterrepräsentiert sind, wissen auch Anke Rasmus vom Zentrum für Entrepreneurship an der CAU und Susann Dreßler, die die Arbeit der Förderlotsen an der IB koordiniert, nicht so ganz genau. Allein an Kinderwunsch und Familienplanung kann es jedenfalls nicht liegen. Ganz im Gegenteil: Nach Erfahrung der beiden Expertinnen nutzen viele Frauen die Babypause zum gründlichen Nachdenken und zum Neustart – sie gehen häufig mit dem Nachwuchs ins neue Unternehmertum.

Mittlerweile herrscht Einigkeit darüber, dass Frauen anders gründen als die Männer. Deutlich sogfältiger vorbereitet, von allen Seiten beleuchtet, zeichnet sich ihr Unternehmen auch durch vergleichsweise zurückhaltende Risikofreudigkeit aus. „Frauen zweifeln stets an ihren Kompetenzen“, sagt Anke Rasmus. Dabei hätten sie es wahrlich nicht nötig. Die Hälfte der Abiturienten, die Hälfte der Hochabsolventen, fast die Hälfte der Promovierenden sind Frauen.

Dann aber stockt es. Die Sichtweise, dass Unternehmensgründungen „das Ding von Männern“ sind, ist wohl noch weit verbreitet. Was vielleicht auch mit dem Mangel an Vorbildern zu tun hat und der fehlenden „Sichtbarkeit“ erfolgreicher weiblicher Selbstständigkeit. „Wir müssen Frauen eine Bühne geben“, erklärt Susann Dreßler und fügt hinzu: „Der Zugang zum Netzwerk ist extrem wichtig.“ Ideenwettbewerbe und Veranstaltungen wie der jährliche Gründercup sollen helfen, unternehmerische Leistungen des keinesfalls schwachen Geschlechts ins richtige Licht zu rücken. „Wir müssen Frauen eine Bühne geben“, verlangen Anke Rasmus und Susann Dreßler. Sie wollen zugleich dafür sorgen, dass bei den Beratungen niemand strandet.

Stark werden durch Unterstützung, durch Mentoring, durch eine erfolgreiche Frau an der Seite – das ist die Absicht der Organisatorinnen. Weshalb sie für den 23. August mit Heike Henkel eine der erfolgreichsten deutschen Leichtathleten zum Vortrag eingeladen haben. Anke Rasmus und Susann Dreßler sind überzeugt: Zwischen Hochleistungssport und Unternehmertum gibt es erstaunliche Parallelen.

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