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Anschuldigungen : Windpark: Böser Brief an die SPD

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Ingenieurbüro FM-Wind in Flintbek war an der Planung des Windparks Meimersdorf beteiligt. Nach dem Ausstieg der SPD erhebt Geschäftsführer Lüth schwere Vorwürfe, die Fraktionschef Traulsen wiederum als völlig abwegig einstuft.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2016 | 18:39 Uhr

Der Streit um den geplanten Windpark in Meimersdorf im Kieler Süden geht weiter. Gestern meldete sich die Projektgesellschaft FM-Wind aus Flintbek zur Wort. In einem Offenen Brief an die SPD-Ratsfraktion erhebt Geschäftsführer Hans-Günter Lüth schwere Vorwürfe. SPD-Fraktionschef Hans-Friedrich Traulsen spricht von völlig abwegigen Anschuldigungen.

Hintergrund ist das klare Nein des SPD-Parteitages vor gut einer Woche zum Windpark Meimersdorf. Ein halbes Dutzend Windräder sollten dort errichtet werden, ihre Leistung sollte ausreichen, um 15  000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Doch angesichts des hartnäckigen Widerstands vor Ort sahen die Sozialdemokraten das Projekt nicht mehr als durchsetzbar an. Man müsse die Bevölkerung mitnehmen bei der angepeilten Energiewende. „Eine breite Akzeptanz ist in Meimersdorf nicht erkennbar“, hatte der energiepolitische Sprecher Wolfgang Schulz erklärt.

FM-Wind spricht jetzt von einer „unfassbaren 180-Grad-Kehrtwende“. Lüth wirft den Wortführern auf dem SPD-Kreisparteitag Verquickung mit den Interessen der Stadtwerke vor. Schulz sei aktuell Mitglied im Aufsichtsrat der Kieler Stadtwerke und Ex-Energieminister Claus Möller in gleicher Funktion bei den Stadtwerken in Lübeck tätig gewesen. „Bewirbt die Kieler SPD die wirtschaftlichen Interessen der Stadtwerke Kiel“ und ihres Mehrheitsaktionärs MVV?, fragt Lüth im Offenen Brief. Er erinnert die SPD an ihr eigenes Wahlprogramm von 2013 und auch an die Verträge, die Kiel mit Flintbek und der FM-Wind geschlossen habe.

Die SPD wiederum weiß auch die großen Naturschutzverbände hinter sich. Sowohl der Nabu als auch der BUND hatten den Grünen – die unverändert hinter dem Projekt stehen – Unkenntnis und Falschinformationen vorgeworfen. Im politischen Mehrheitsbündnis im Kieler Rathaus hat sich neben der SPD auch der SSW vom Windpark verabschiedet, der Streit hatte zu einer Krisensitzung des Kooperationsausschusses geführt, die ergebnislos verlaufen ist.

Traulsen reagierte gestern gelassen auf den Offenen Brief. Eine gesonderte Stellungnahme wollte er gar nicht abgeben, er sprach von „abwegigen Vorwürfen“. Nach seinen Worten hatte die FM-Wind sogar am Parteitag teilnehmen dürfen, das sollte man sich beim nächsten Mal wohl anders überlegen. Wie abstrus die Kritik ausfalle, zeigt sich für ihn auch an einer Unterstellung am Ende des Offenen Briefes. Die FM-Wind hatte geschrieben: „Ist der Ausstieg nur ein nachträgliches Geschenk an Gansel (Ex-Oberbürgermeister), der sich zu seinem 70. Geburtstag gewünscht hatte, sein Meimersdorf von Windanlagen freizuhalten?“  

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