Ratsversammlung : Wildtiere „gehören nicht in den Zirkus“

„Tiere sind keine Marionetten“: Gestern warb die Kieler Hochschulgruppe für Tierrechte vor dem Rathaus für das Verbot.
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„Tiere sind keine Marionetten“: Gestern warb die Kieler Hochschulgruppe für Tierrechte vor dem Rathaus für das Verbot.

Prüftantrag von SPD, Grünen und SSW sorgte für Debatte: Opposition will Verbot auch, kritisierte Antrag aber als „hanebüchen“. Alle Fraktionen sendeten zudem ein gemeinsames Zeichen für eine weltoffene und tolerante Stadt.

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23. Januar 2015, 05:51 Uhr

Die Kieler Ratsversammlung stand gestern Abend ganz im Zeichen der aktuellen Entwicklungen rund um Pegida sowie die Terroranschläge von Paris. Da gerieten Kiel-spezifische Themen wie die Debatte um ein mögliches Verbot von Zirkussen mit Wildtieren in der Landeshauptstadt oder die Schließung des Freibads Katzheide in Gaarden fast ins Hintertreffen. Auch die Aktuelle Stunde zum zehnjährigen Bestehen von Hartz IV und dem Jobcenter, beantragt von der Fraktion der Linken, entlockte den Kommunalpolitikern kaum mehr als grundsätzliche Aussagen. Tenor: Die Reform hat zwar die Arbeitslosenzahlen in der Landeshauptstadt sinken lassen, aber die Probleme Langzeitarbeitsloser auch verfestigt.

Mit zwei klaren Zeichen für Vielfalt, Toleranz und Meinungsfreiheit sowie gegen Terror und Gewalt zeigten sich die Fraktionen übergreifend nachhaltig betroffen von den Vorkommnissen in Frankreich. Mit seltener Einstimmigkeit warben SPD, CDU, Grüne, FDP, SSW und Linke um Teilnahme der Bevölkerung an der „Anti-Pegida“-Kundgebung des neu gegründeten Kieler Bündnisses „Das ist unsere Stadt – die Kiel-Region ist weltoffen“ am kommenden Dienstagabend (18 Uhr, ab Wilhelmplatz).

Später ging es um den Prüfantrag von SPD, Grünen, SSW und Linken, ob die Stadt Zirkussen mit Wildtieren das Gastieren in Kiel verbieten kann. Es wurde eine zum Teil wortklauberische Debatte. „Wildtiere haben im Zirkus nichts verloren“, sagte Martina Baum von den Grünen, sprach damit der Ratsversammlung grundsätzlich aus dem Herzen. Ob SPD, Grüne, SSW, Linke, CDU oder FDP – alle Fraktionen machten deutlich, dass sie ein gemeinsames Ziel haben. Widerspruch gab es dennoch. Robert Vollborn (CDU) kritisierte die ungenauen Formulierungen des Antrags als „hanebüchen“ und „abwegig“. Er argumentierte, die Kommune habe keine rechtlichen Möglichkeiten. Die CDU legte einen Alternativantrag vor: Der Kieler Oberbürgermeister solle gemeinsam mit den kreisfreien Städten und Kreisen im Land oder über die Landesregierung direkt an die Bundesregierung appellieren, Tiere wie Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde in Zirkussen zu verbieten. Gegen die Stimmen der Opposition setzte sich die rot-grün-blaue Kooperation am Ende durch.

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