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Kiel : Wildtier-Zirkusse: Verbot gescheitert

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ratsversammlung hatte sich gegen Zirkussen mit Wildtieren ausgesprochen. Doch die Stadt sieht keine rechtliche Grundlage für einen Ausschluss. Welche Mängel in der Tierhaltung vorkommen, berichtet eine Amtstierärztin.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 06:00 Uhr

Dressierte Tiger und Löwen, die durch brennende Reifen springen oder Elefanten, die auf Kommando in der Manege mit Bällen spielen: Die Kieler Ratsversammlung hat sich Ende Januar gegen die Haltung von Wildtieren in Zirkussen ausgesprochen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) sollte prüfen, ob die Landeshauptstadt künftig diesen Shows in Kiel den Riegel vorschieben kann. Die eindeutige Antwort des Stadtrates Wolfgang Röttgers: „Die Frage muss verneint werden.“

Der juristische Hintergrund ist komplex. Es geht um Genehmigungen für Platzrechte, die die Landeshauptstadt Zirkussen mit Wildtieren erteilt. Röttgers sieht für Kiel aktuell keine rechtliche Grundlage für ein Verbot, Wildtiere mitzuführen und auftreten zu lassen. Damit greife eine Gemeinde unter anderem in die Freiheit der Berufsausübung eines Zirkusunternehmens ein. Röttgers bezieht sich auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Darmstadt aus dem Jahr 2013 (1 L 89/13 DA). Außerdem sei die Frage nicht allein auf Kiel bezogen, sondern landesweit von Relevanz. Der Oberbürgermeister werde daher die Landesregierung auffordern, eine Bundesratsinitiative zu ergreifen, die darauf abzielt, die Möglichkeit eines Verbots von Wildtieren in Zirkussen zu schaffen.

Nicht zuletzt, führt Röttgers fort, habe die Kieler Veterinärabteilung in den vergangenen zehn Jahren keine derartig negativen Erfahrungen mit Wildtieren in Zirkussen gesammelt, dass ein erhöhter Verwaltungsaufwand ein Verbot rechtfertige. „In aller Regel werden die Auflagen (...) eingehalten und die vorgeschriebenen Haltungsbedingungen gewährleistet. Im Rahmen der Kontrollen festgestellte Mängel werden umgehend abgestellt“, so Röttgers.

Das bedeutet: Es wurden und werden Mängel festgestellt. Nachfrage bei Amtstierärztin Dr. Dorle Tischbirek: Welche Probleme findet sie bei Zirkussen vor? „Es kommt es vor, dass Elefanten und Lamas keine Äste im Gehege haben“, erläutert Tischbirek. Diese benötigten die Tiere, um die Zähne abzunutzen. „Meistens regeln wir das so: Das Grünflächenamt stellt Schnittwerk zur Verfügung.“ In vielen Fällen würden die Zirkusse nach deren Ankunft kontrolliert, so dass diese die Äste oft noch nicht vorrätig hätten. Manchmal würden zudem die Tiergehege zu klein aufgebaut und müssten vergrößert, einige Wagen umgestellt werden. Kurios mutet an, was Tischbirek bei kleinen Familienzirkussen erlebt, wenn deren Tierbestandsbücher nicht auf dem aktuellen Stand sind: „Da gibt es immer noch Betreiber, die von sich behaupten, nicht lesen und schreiben zu können“, erklärt die Amtstierärztin.

An einen gröberen Verstoß gegen die Vorschriften erinnert sie sich auch – der liege jedoch länger als zehn Jahre zurück: „Das Badebecken für den Tiger fehlte. Die Mitarbeiter haben versucht eins zu besorgen. Es wurde auch angenommen, war aber untauglich. Heutzutage kommt so etwas nicht mehr vor“, erklärt die Veterinärin. Große Zirkusse seien professionell geführte Unternehmen und achteten auf den Tierschutz. Aus dienstlicher Sicht könne sie den Auftritt von Wildtieren bei der Einhaltung aller Regularien in Kiel vertreten, sagt Dr. Dorle Tischbirek.

Und persönlich? Da hält sie sich zurück. „Das steht hier nicht zur Debatte.“

 

 

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