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Wie Vladimir sich gegen Omas Schlabberküsse wehrt

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Gestern startete "Trau dich"-Initiative gegen sexuellen Missbrauch mit Theaterstück für Grundschulklassen

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | Das war schon ein starkes Stück. Ein gelungener Auftritt der Schauspieler, zum einen. Zum anderen auch emotional aufwühlend. Ein Stück über drei Kinder und drei schwierige, gar dramatische Erlebnisse. Fiktiv zwar, aber nah genug an der Realität vieler Grundschulkinder. Wie über Paula, die mit ihren zwölf Jahren unter Druck gerät, endlich einen Mitschüler zu küssen. Mit Zunge. Oder über Vladimir, dessen Oma es etwas zu gut meint mit ihren Schlabberküssen. Und dann über Alina: Der Verlobte ihrer älteren Schwester berührt sie im Auto im Intimbereich. Drei Geschichten über Gefühle, Grenzen, Vertrauen und Mut. Sie erreichten gestern viele Schüler im Publikum des Kieler Opernhauses. Zwei Aufführungen bildeten den Auftakt für eine Tour der Initiative zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs "Trau dich!" in Kiel.

Die Initiative rief das Bundesfamilienministerium gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im November 2012 ins Leben. Die Kieler Bildungsministerin Wara Wende sowie Gesundheitsministerin Kristin Alheit begleiteten den gestrigen Auftakt. Erklärtes Ziel der Kampagne: Mädchen und Jungen zwischen acht und zwölf Jahren über ihre Rechte aufzuklären, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu informieren, wo sie im Falle eines Übergriffs Hilfe finden. Denn Übergriffe gibt es immer wieder: So wurden 2012 in Schleswig-Holstein 449 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs bekannt - ein Rückgang von 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Körperliche Selbstbestimmung und sexueller Kindesmissbrauch sind daher die Themen des Theaterstücks, das die deutsch-schweizerische "Kompanie Kopfstand" aufführte. Das sensibel inszenierte interaktive Stück bezog die Kinder ein. Und das kam gut an. Die Kinder konnten eigene Ideen einbringen, wie Vladimir seiner Oma deutlich machen kann, dass er sie gern hat, aber ihre Küsse nicht will. "Wegrennen" hieß es da, oder: "Er soll sie auch mal abknutschen und ihr zeigen, wie es ist." Am Ende setzte sich die Lösung durch, die Mutter um Hilfe zu bitten und der Oma einen Brief zu schreiben.

Überhaupt: Jedes der Probleme - aufdringliche Großmutter, erster Kuss, Missbrauch durch Erwachsene - wurde behutsam aufgelöst. Aufgewühlte Emotionen beruhigten sich wieder.

Ab September stehen weitere Aufführungen des Theaterstücks in Schleswig-Holstein an. Bis Ende 2013 sollen 6000 Kinder im Grundschulalter erreicht werden. Das Thema Missbrauch soll in den teilnehmenden Klassen vor- und nachbereitet werden. Mehr Informationen im Internet unter www.trau-dich.de.

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