Leukämie : Wie eine Entdeckung aus Kiel kranken Kindern helfen kann

Durch ungehemmtes Wachstum verdrängen einförmige Leukämiezellen (r.) das „bunte Bild der Blutbildung“ im Knochenmark (l.).
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Durch ungehemmtes Wachstum verdrängen einförmige Leukämiezellen (r.) das „bunte Bild der Blutbildung“ im Knochenmark (l.).

Kieler Forscher sind der Blutkrebserkrankung ALL auf der Spur – und legen den Grundstein für mögliche Therapien.

shz.de von
28. Juli 2015, 13:47 Uhr

Kiel | Kieler Mediziner sind der Erforschung einer seltenen Blutkrebs-Art ein ganzes Stück näher gekommen. Bei einer bestimmten Form ist das Erbgut der Leukämiezellen so verändert, dass zwei bestimmte Gene fehlerhaft zusammengelagert sind. Das macht sie resistent gegenüber Therapien – und die Krankheit war bis vor einigen Jahrzehnten noch fast immer tödlich.

Das Team der Kieler Universität hat gemeinsam mit anderen europäischen Forschern die DNA von erkrankten Kindern untersucht. Sie fanden heraus: Bei der Unterform der akuten lymphoblatische Leukämie (ALL) sind noch andere DNA-Bereiche regelmäßig verändert.

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die so entstehenden ,Fehlerkombinationen' nicht zufällig vorliegen“, sagt Professor Andre Franke vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU). „Sie wirken so zusammen, dass sie vorteilhaft für die Krebszelle sind.“ Das bedeutet, dass Forscher genau an diesen Stellen mit anderen bereits bekannten Therapieformen Erfolg haben könnten. Diese Therapien waren bislang noch nicht für die ALL-Erkrankung bekannt.

Die Ergebnisse tragen dazu bei, den Erkrankungsverlauf der aggressiven Leukämie besser zu verstehen. Durch die Muster der Veränderungen im Erbgut, die die Forscher entschlüsselt haben, können sie auch Rückschlüsse auf Entstehung der Erkrankung ziehen und darauf, welchen Einfluss Umweltfaktoren, zum Beispiel Niedrigstrahlung, hierbei haben könnten.

In der Kieler Kinderklinik wurde das Erbgut von Patienten auf genetische Mutationen untersucht. Berliner und Schweizer Forscher nutzten diese Erkenntnisse, um weiter zu forschen. Die Seltenheit der Krankheit sei ein Grund, warum noch so wenig über die Krankheit bekannt war, sagt Prof. Martin Stanulla von der Medizinischen Hochschule in Hannover gegenüber den Kieler Nachrichten. Jetzt haben die Mediziner einen neuen Ansatz für die weitere Erforschung von ALL – und geben den Patienten Hoffnung auf größere Heilungschancen.

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