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Casino ja, Spielhalle Nein : Wettbüros sollen draußen bleiben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Planer im Rathaus sehen ihr Ziel einer attraktiven Innenstadt gefährdet. Mit dem Rezept einer Veränderungssperre reagieren sie auf das Ansinnen von Spielhallen und Wettbüros, Räume im sogenannten C&A-Block direkt neben dem Bootshafen anzumieten.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2014 | 21:17 Uhr

„Veränderungssperre“ heißt das Zauberwort, mit dem städtische Planer unerwünschten Entwicklungen begegnen können. Sie machen davon zurzeit Gebrauch im Areal neben dem Bootshafen, dem sogenannten C&A-Block. Aufgrund etlicher Leerstände in dem Gebäudekomplex hat nämlich der erste Wettlokalbetreiber angeklopft. Doch Wettlokale und Spielhallen sind unerwünscht – den Planern schweben charmantere Geschäfte vor. Kurios: In dem Gebäudekomplex, der für Wettlokale geschlossen bleiben soll, lockt auch das Spielcasino die Zocker: mit Poker und Black Jack, mit Roulettetischen und ganzen Zeilen von „Slot Machines“.

Eine attraktive Innenstadt mit Wohlfühlcharakter ist das Ziel der Strategen im Rathaus. Projekte wie der Kleine Kiel-Kanal sollen helfen, mehr Kunden ins Zentrum zu locken. Spielhallen und Wettlokale würde dagegen nach Einschätzung der Verantwortlichen den Ruf des Quartiers mindern statt heben. Sofern die Ratsversammlung in der kommenden Woche zustimmt, wird für die nächsten beiden Jahre deshalb die Ansiedlung der Glücksspielbetriebe im Quartier untersagt. In dieser Zeit soll dann ein rechtssicherer Bebauungsplan (B-Plan) aufgestellt werden.

„Seit geraumer Zeit wird der Baublock südlich des Bottshafens seiner Lage und Bedeutung im Zentrum der Kieler Innenstadt nicht mehr gerecht. Ungenutzte oder leerstehende Gebäudestrukturen bestimmen das Bild. “ – So steht es in der Begründung, die das Stadtplanungsamt dem Bauausschuss und der Ratsversammlung vorgelegt hat. Die Fachleute sprechen von einer „negativen Wirkung auf das Stadtbild“ und haben mit einem Problem zu kämpfen, das auch andere Städte kennen: dem Rückzug kleiner Handels- und Gastronomiebetriebe verbunden mit dem Rückgang der Besucherzahlen. Erkennbar werde diese Entwicklung beispielsweise an zugeklebten Schaufenstern.

Dieser „Verlust an Aufenthaltsqualität“ führe dann häufig dazu, dass Spielhallen in die leeren Räume einziehen. Die Betreiber verfügen über die Fähigkeit, hohe Mieten zu zahlen, erklären die Stadtplaner und warnen vor einem „Trading-down-Effekt“, dem Ansehensverlust bei der Bevölkerung. Stattdessen aber soll der Komplex neben Einzelhandel und Gastronomie auch Wohnungen aufnehmen. Dass künftig mehr Menschen in der Innenstadt nicht nur einkaufen und essen gehen, sondern auch wohnen, gehört ebenfalls zu den Zielen der Stadtplaner.

Sie sehen für das Areal neben dem aufwändig sanierten Bootshafen – heute ein beliebter Veranstaltungsort – durchaus gute Perspektiven. Einfach werde es trotzdem nicht, räumt Bürgermeister Peter Todeskino ein: „ Die Entwicklung des Baublocks mit der gewünschten städtebaulichen Zielsetzung ist äußerst komplex, die nur mit privatwirtschaftlicher Hilfe umgesetzt werden kann.“


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