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Stromschuldner : Wenn’s zu Hause dunkel bleibt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kieler Insolvenzberatung erlebt derzeit eine Welle von Stromschuldnern. Die Stadtwerke finanzieren eine Beratungsstelle, um durch Ratenzahlungen das Abschalten von Strom möglichst zu verhindern. Dennoch gab es 2015 gut 2000 Fälle – 300 mehr als 2014.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 06:06 Uhr

Wenn das Geld nicht mehr reicht und Rechnungen unbezahlt in der Schublade landen, dann erkennen verschuldete Menschen den Ernst der Lage schnell durch die Drohung ihres Energieversorgers, den Strom abzustellen. Und im schlimmsten Fall durch den Vollzug: Der Zähler wird gesperrt. Die Wohnung bleibt dunkel.

Zurzeit, sagt Hardy Bickel von der Kieler Schuldner- und Insolvenzberatung, „erleben wir wieder, wie eine Welle über die Deiche schwappt“. Er meint damit, dass vermehrt Stromschuldner mit der Androhung der Stromunterbrechung in die Beratungsstelle am Alten Markt kommen.

Im Jahr lassen sich rund 1000 Menschen dort helfen. Die Schulden pro Stadtwerke-Kunde liegen zwischen 100 und 10  000 Euro. Dazu passen aktuelle Zahlen der Stadtwerke Kiel: Im Vergleich zum Jahr 2014 ist die Zahl der gesperrten Zähler gestiegen (2014 waren es 1700; 2015: 2000). Dieser Not-Zustand dauert manchmal wenige Stunden an, kann aber nach Stadtwerke-Angaben auch für mehrere Tage anhalten.

Eine Erklärung für die Zunahme haben weder der Verein Lichtblick, der die Beratungsstelle trägt, noch die Stadtwerke. Faktoren gibt es jedoch viele: Krankheit, Scheidung, Jobverlust etwa. Bickel stellt indes fest: „Der Strom-Notstand kommt nicht mehr nur bei Arbeitslosengeld-II-Beziehern vor, sondern frisst sich langsam in die mittleren Schichten vor.“

Die Beratung fungiert als Vermittler zwischen Schuldnern und Stadtwerken, vereinbart etwa eine Ratenzahlung. Eine Mitarbeiterin kümmert sich nur um die Unterstützung von Menschen mit Stromschulden. Diese Stelle finanziert eine Spende der Stadtwerke seit 2008 mit jährlich 15  000 Euro. Gestern übergab Stadtwerke-Vorstand Frank Meier den symbolischen Jahres-Scheck an Hardy Bickel und Gert Rathje vom Verein Lichtblick. „Die Fall-Zahlen zeigen, dass wir mit unserer Spende am richtigen Ende unterstützen“, sagt Stadtwerke-Sprecher Sönke Schuster. Im Namen der Stadt bedankte sich Vize-Stadtpräsident Robert Vollborn – es sei wichtig zu wissen, dass die Zukunft der Beratung gesichert ist.

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