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Forschung : Wenn Frauen Geschichte schreiben

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Ringvorlesung an der Universität befasst sich ab Mittwoch mit der weiblichen Rolle in der Vergangenheit Schleswig-Holsteins. Insgesamt 14 Vorträge sind geplant. Jeder ist eingeladen, den neuen Erkenntnissen zu lauschen.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 18:25 Uhr

Die Geschichte dreht sich meist um männliche Figuren. Darum, wie einzelne Männer Ereignisse geprägt haben. Aber auch darum, wie sich die Männer der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten verhielten. Die Perspektive der Frau kommt oft zu kurz. Das wollen Nina Gallion und Caroline Weber, Mitarbeiterinnen des Historischen Seminars der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU), nun ändern. Sie haben eine Ringvorlesung zu dem Thema „Frauen im Fokus der Regionalgeschichte. Schleswig-Holstein vom Mittelalter bis heute“ organisiert, die am Mittwoch, 25. Oktober, startet.

In 14 Vorträgen werden berühmte Frauen und der Alltag der weiblichen Gesellschaft in den vergangenen Jahrhunderten vorgestellt. Gefördert wird die Vorlesungsreihe vom Gleichstellungsausschuss der Philosophischen Fakultät der CAU. „Wir befassen uns meistens mit männlich erzählter Geschichte“, sagt Caroline Weber. Dabei handele es sich aber nicht automatisch um Männergeschichte. Vielmehr liegt der einseitige Blickwinkel an der Quellenlage und den Überlieferungen.

„Meistens konnten eben nur die Männer schreiben“, erklärt Nina Gallion. Deswegen seien die Darstellungen oft auch männerlastig. Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich die Geisteswissenschaft zunehmend mit Geschlechter- und Alltagsgeschichte. Bis dahin dominierten schlicht andere Schwerpunkte. In die einzelnen Zweige der Geschichtswissenschaft hält das Forschungsfeld aber nur langsam Einzug, so auch im Fall der Regionalgeschichte.

Gerade für den schleswig-holsteinischen Raum seien Berichte von Frauen sehr selten. „Und wenn die Frau schreiben konnte, dann war sie meist gebildet“, so Caroline Weber. So würden sich historische Überlieferungen oft auf den Adel oder Klerus beschränken, und auch Städte seien öfter in den Quellen zu finden, während das Landleben teilweise zu kurz kommt. „Wir haben aber trotzdem versucht, in unserer Vorlesungsreihe alle gesellschaftlichen Klassen abzubilden“, erklärt Caroline Weber. So geht es beispielsweise um Frauen im Kloster, aber auch um Künstlerinnen, die sich um 1900 behaupten mussten. Selbst die Bemühungen der Studentinnen der CAU zwischen 1927 und 1945 werden einen Abend lang im Fokus stehen. Im Anschluss an die Vorlesungsreihe soll zudem ein Sammelband erscheinen.

„Wir hoffen, dass wir das Thema langfristig in die Lehre übernehmen können“, sagt Caroline Weber. Das Interesse bei den Studierenden sei grundsätzlich da. In Seminaren hätten in den vergangenen Jahren jedoch noch deutlich die Studentinnen überwogen. Ob das bei diesen Vorlesungen auch wieder so sein wird, sei schwer zu sagen. „Es ist schließlich ein hochspannendes Thema. Und dass nicht nur, wenn man eine Frau ist“, sagt Nina Gallion.

Die beiden Dozentinnen hoffen, den Nerv der Geschichtsfans zu treffen. Die Ringvorlesung ist kostenlos und frei zugänglich. Start ist am Mittwoch, 25. Oktober, um 18.15 Uhr im Audimax der CAU. Das ganze Programm gibt es als Flyer oder online.

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