Drachensee : Wenn die Bewohner älter werden

Ilse Strecker zeigt eines ihrer selbstgemalten Bilder.
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Ilse Strecker zeigt eines ihrer selbstgemalten Bilder.

Selbstbestimmtes Leben trotz einer Behinderung – das ist den Mitarbeitern der Stiftung Drachensee für ihre fast 90 Bewohner im Postillionweg wichtig. Am 14. Juni feiern sie das 30-jährige Bestehen mit einem großen Fest. Bewohner berichten.

shz.de von
06. Juni 2014, 05:28 Uhr

„Wolfgang“ hängt als kleines Schild an seiner Wohnungstür. Grüner Teppich, zwei Sessel, Schiffchen auf dem Sideboard über dem Bett. So möchte Wolfgang Zippel (78) leben. Allein, selbstbestimmt, aber nicht einsam. Ermöglicht wird ihm das im Seniorenhaus der Stiftung Drachensee, die am 14. Juni das 30-jährige Bestehen der Wohnhäuser am Postillionweg feiert – mit allen Bewohnern, Vertretern der Stadt und Politik sowie Gästen. 30 Menschen leben insgesamt im Seniorenhaus, in dem auch Wolfgang Zippel ist – auch Ilse Stecker (64).

Noch arbeitet sie als Hauswirtschafterin, geht in den anderen beiden Häusern sauber machen, hilft beim Kochen – „wo ich gebraucht werde, ich helfe gern“. Für Klaus Teske, Vorsitzender der Stiftung Drachensee, sind zufriedene Bewohner wichtig. Damit das so ist, wurden sie bei allen Veränderungen und Umbauarbeiten mit einbezogen, gefragt, wie sie denn gern leben würden.

In 30 Jahren hat sich viel verändert. 1976 wurde das erste Wohnhaus in Hammer für Menschen mit Behinderungen bezogen. Die Zimmer waren Doppelzimmer, das Bad war über den Flur – acht Waschbecken nebeneinander, keine Tür zur Küche, nur ein Durchgang. Wolfgang Zippel, ein Bewohner der ersten Stunde erinnert sich nicht gern daran zurück. „Es war auch gut, aber hier ist es schöner“, sagt er. „In meinem eigenen Zimmer kann ich schalten und walten, wie ich will und habe auch mal meine Ruhe.“

Auch im heutigen Seniorenhaus gab es nach dem Neubau und Einzug 1984 zur Hälfte Doppel- und Einzelzimmer, das Bad war auch auf dem Flur aber keine Massenabfertigung. Teske: „Das entsprach damals guten Standards. Aber wir haben schnell gemerkt, dass wir die Doppelzimmer auflösen und umdenken müssen. Wie wollen die Menschen im Alter leben?“ Bis in die 90er Jahre hinein habe sich die Stiftung diese Frage nicht stellen müssen, es gab nur ganz wenige Menschen mit Behinderungen, die 60 Jahre alt waren. Zur Begründung braucht Teske nur ein Wort: „Nazideutschland.“ Heute bilde sich der demographische Wandel auch bei den Bewohnern ab – und damit verändert sich das Angebot und das Berufsbild. Teske: „Wenn die Bewohner vielfältig sind, müssen es auch die Kompetenzen im Team sein.“ Waren es früher hauptsächlich Erzieher, die die Bewohner betreuten, werden heute Heilpädagogen, Ergotherapeuten und Altenpfleger gesucht.

Auch das Angebot für die Bewohner musste sich ändern, wenn sie als Rentner nicht mehr zur Arbeit gehen, brauchen sie andere Beschäftigungen. Ilse Strecker beispielsweise ist regelmäßig in der Malgruppe am artegrale in Düsternbrook, sie fährt viel Fahrrad, besucht Freunde. Wolfgang Zippel hingegen freut sich über die selbstgebaute Hobelbank im Werkelraum. Er ist eher der ruhige Typ. Eben jeder so, wie er mag.

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