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Streit über Funk : Wenn der Flachmann auf den Vollpfosten trifft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein verbaler Streit zwischen einem Lotsen auf dem Nord-Ostsee-Kanal und einem Berufskapitän beschäftigte erst das Amtsgericht und jetzt das Landgericht. Am Ende gab’s eine offizielle Verwarnung für den 54-jährigen Kapitän.

shz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 18:18 Uhr

Erfolgreich endete für den 54-jährigen Kapitän P. die Berufungsverhandlung vor dem Kieler Landgericht. Wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs auf dem Nord-Ostsee-Kanal und wegen Beleidigung hatte ihm das Amtsgericht eine Geldstrafe von 600 Euro aufgebrummt. Jetzt, in der Zweitinstanz, blieb es bei einer offiziellen „Verwarnung unter Strafvorbehalt“. Das bedeutet: Der Kapitän muss nicht mit beruflichen Nachteilen rechnen – und die 600 Euro nur zahlen, falls er sich in den nächsten beiden Jahren einen strafrechtlichen Ausrutscher leistet.

Der Vorfall, um den es ging, datiert vom 15. März 2014. P.    befuhr mit seiner 68 Meter langen „Mia B“ den Kanal in Richtung Holtenau. In Höhe von Sehestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) kam ihm in der langgestreckten, etwa 3000 Meter langen Kanalkurve ein Konvoi größerer Schiffe entgegen. Zunächst das 140 Meter lange Containerschiff „Aldebaran J“, dem die „Marnedijk“ (130 Meter) folgte.

Beide Frachter gehören auf dem Kanal zur Kategorie 4, die „Mia B“ mit ihrem geringen Tiefgang zur Kategorie 2. P. wäre zum Ausweichen verpflichtet gewesen. Das aber hätte er nicht oder nicht ausreichend getan, lautete der Vorwurf. Angeblich soll es bei der Passage von „Marnedijk“ und „Mia B“ nur einen Abstand von wenigen Metern gegeben haben. Diese Angaben beruhen auf GPS-Daten und besitzen – je nachdem, welche Satellitenkonstellation damals herrschte – eine nicht unerhebliche Fehlertoleranz. So wusste der Richter zu berichten, dass man als Segler unter Umständen beim Einfahren in die Schlei „schon mal über Land fährt“. GPS-technisch betrachtet.

Sei’s drum. Der Lotse auf der „Marnedijk“ soll P. während des Funkverkehrs als „Flachmann“ bezeichnet haben, was der Kapitän des kleineren Schiffes mit dem Wort „Vollpfosten“ konterte. Möglicherweise meinte der Lotse aber nur „Flachgänger“ oder Ähnliches – in Anspielung auf den geringen Tiefgang der „Mia B“. P. jedenfalls will nach eigenen Worten in Nähe der Kanalböschung gefahren sein – so weit es jedenfalls unter dem Einfluss der kräftigen Böen gefahrlos möglich war. Er verwies auch auf die problemlose Begegnung mit der „Albebaran J“. Und auch bei der „Marnedijk“ habe es schätzungsweise 30 Meter Abstand gegeben. „Ich habe ihn nicht behindert“, erklärte P. und stellte fest: „Selbst größere Schiffe als die ,Mia B’ hätten an dieser Stelle passieren können.“

P. hat reichlich Erfahrungen mit dem Nord-Ostsee-Kanal, den er zwei bis drei Mal pro Woche passiert hat. Als sogenannter „Freifahrer“ braucht er auch keinen Lotsen an Bord, er darf sein Schiff alleine von Holtenau nach Brunsbüttel und zurück steuern. Seine Erklärung für den Streit: „Auf der Brücke der ,Marnedijk’ kam Panik auf, weil sie mit mir nicht gerechnet haben.“

Der Richter gestand durchaus ein, dass in der Schifffahrt und auch auf dem Kanal ein rauer Ton herrschen könne. „Doch die Vorschriften müssen penibel eingehalten werden.“ Das versprach Kapitän P. und erklärte vor Gericht: „Ich habe daraus gelernt und werde meinen Wortschatz über Funk ändern.“ Diese Einsicht freute den Richter: „Gut. So soll es auch sein.“  

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