Keine Beweise gegen Norderstedter : Wende im Prozess um Kieler Millionenbetrug – Jetzt ist sogar ein Freispruch möglich

<p>Der Angeklagte soll vorgetäuscht haben, Erbe eines großen Vermögens zu sein.</p>

Der Angeklagte soll vorgetäuscht haben, Erbe eines großen Vermögens zu sein.

In keinem Anklagepunkt konnte dem Angeklagten bisher eine Schuld nachgewiesen werden. Womöglich ist er am 5. Februar ein freier Mann.

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24. Januar 2018, 14:01 Uhr

Überraschung im Kieler Prozess um einen Millionenbetrug mit einer angeblichen Millionenerbschaft: Nach einem Hinweis des Landgerichts laufe alles auf einen Freispruch des 55-jährigen Angeklagten aus Norderstedt hinaus, sagte Verteidiger Peter Meyer-Grage am Mittwoch auf Anfrage. Demnach gab der Vorsitzende der Strafkammer bereits vergangene Woche in öffentlicher Verhandlung zu Protokoll, dass die Kammer nach mehrwöchiger Beweisaufnahme keine Möglichkeit zu einer Verurteilung sehe, weil bisher in keinem der Anklagepunkte ein Tatnachweis erbracht worden sei. Das mehrfach verschobene Urteil wird am 5. Februar erwartet.

Der Vorsitzende Richter Michael Scheck habe die Anklage aufgefordert, gegebenenfalls neue Beweise vorzulegen. Zuvor lautete die Anschuldigung, der erwerbslose 55-jährige Norderstedter habe elf Investoren mit der Aussicht auf eine angebliche hohe Millionenerbschaft getäuscht und von 2011 bis 2015 um rund 3,6 Millionen Euro betrogen. Das Geld brauchte er angeblich, um an die Erbschaft zu kommen, für die noch Steuerrückstände und Strafzahlungen fällig seien. Von den erschwindelten Millionen, die auf ausländische Konten geflossen sein sollen, fehlt laut Anklagevertreter jede Spur.

Das Gericht hat den Mann zuvor bereits aus der Untersuchungshaft entlassen, in der er seit Mitte Juli saß, sagte sein Verteidiger. Die Richter hätten Fluchtgefahr verneint und keine Anhaltspunkte dafür gesehen, dass der Angeklagte Geld bekommen habe oder noch bekommen werde.

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