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My Boo : Weltpremiere: Das Bambus-E-Bike

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit 2013 fertigt „My Boo“ in Kiel Fahrräder aus dem nachwachsenden Rohstoff Bambus. Ab sofort gibt es das ungewöhnliche Gefährt auch mit Motor – das ist eine weltweite Premiere. 25 Bestellungen gibt es schon.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 18:22 Uhr

1400 Euro – das entspricht dem Preis von sieben Discounter-Fahrrädern. 1400 Euro kostet ein einziges Fahrrad von Jonas Stolzke und Maximilian Schay. Ein Rad, dessen Rahmen nicht binnen Minuten am Fließband eines asiatischen Großbetriebs aus Aluminium geschweißt, sondern in einem afrikanischen Kleinstbetrieb in stundenlanger Handarbeit gefertigt wird. Aus einem besonderen Werkstoff: Bambus. Mit einer Philosophie: Nachhaltigkeit.

„Unsere Fahrräder sind keine Produkte von der Stange“, sagt Jonas Stolzke. „Unsere Kunden wissen und schätzen das.“ Gemeinsam mit seinem Kollegen Maximilian Schay gründete der 26-Jährige vor vier Jahren das Unternehmen „My Boo“. Die Idee zum Bambusrad kam den BWL-Studenten, als ein Freund, der ein soziales Jahr in Ghana absolvierte, Fotos von den dortigen Bambusfahrrädern schickte. „Die sahen ziemlich abenteuerlich und ziemlich cool aus“, erinnert sich Stolzke. Das Material überzeugte: „Bambusräder fahren sich einwandfrei. Der Rohstoff ist relativ leicht, komfortabel und superstabil.“

Weil die Kieler Studenten Potenzial für den deutschen Markt sahen, kauften sie dem Yonso Project in Ghana einige Rahmen ab. Doch am Anfang erwies sich die Bauweise der ghanaischen Rahmen als eher unorthodox für den europäischen Markt: „Wir bekamen unter anderem einen Rahmen, in den statt des Tretlagers ein Abflussrohr verbaut war“, berichtet Stolzke lachend. Doch mit unerschütterlicher Begeisterung für das afrikanische Hilfsprojekt trafen die jungen Studenten eine Entscheidung: „Wir entwickelten eine Rahmenlehre, also eine Vorrichtung zum Rahmenbau, flogen damit nach Ghana und bauten die Rahmen gemeinsam mit den Mechanikern des Projekts.“ So nahm die erste Prototyp-Reihe von „My Boo“ Gestalt an.

Was mit zwei Modellen begann, ist heute ein Unternehmen, das zehn Rahmenmodelle – vom Trekking-, übers Holland- bis zum Rennrad – für europaweit mehr als 100 Händler (über 80 in Deutschland) produziert. Dabei ist das Bambusrad keine neue Erfindung. „Bambusräder gibt es seit über hundert Jahren, wir machen nur ein Serienprodukt daraus“, erklärt Stotzke. Aktuell hat „My Boo“ das weltweit erste Bambusfahrrad mit integriertem Mittelmotor von Shimano und 418-Wh-Gepäckträger-Akku im Programm. 25 Pedelecs wurden bereits bestellt.

<p>Zweiradmechaniker-Meister Dominik Hansen bei der Arbeit.</p>

Zweiradmechaniker-Meister Dominik Hansen bei der Arbeit.

 

„My Boo“, das heißt „Mein Liebling“. Und das sollen die Räder für ihre Nutzer auch sein, sagt Jonas Stolzke. Mit immerhin 80 Stunden Handarbeit allein für die Fertigung des Rahmens und der individuell auf Kundenwunsch montierten Komponenten ist jedes Rad ein Unikat. Es transportiert auch die Philosophie von „My Boo“, erklärt Mitarbeiter Felix Habke: „Es geht um soziale Nachhaltigkeit.“ Denn das einst vierköpfige Yonso Project in Ghana beschäftigt mittlerweile 30 fair bezahlte, sozialversicherte Mechaniker. Der Erlös fließt in Schulstipendien für Kinder der Ashanti-Region. Allein 2016 finanzierte „My Boo“ 150 Stipendien inklusive Schuluniformen.

Angefangen haben Jonas Stolzke, Maximilian Schay und zwei Mechaniker in der Wik, jetzt haben sie sich räumlich wie personell vergrößert. An der Holtenauer Straße (Ecke Hardenbergstraße) fanden sie Platz für ihr junges Unternehmen mit inzwischen drei Mechanikern und einem Meister.

Zur Fertigung: Der Bambus wird vor Ort in Ghana geschlagen und getrocknet. Die am besten geeigneten Bambusstangen werden anschließend zusammengefügt. In Bioharz getränkte Hanffasern bilden die Verbindungsstücke. Sie werden abgeschliffen, der gesamte Rahmen wird lackiert und in Containern nach Deutschland verschifft. Mit Rädern, Griffen und Schaltung nimmt das Bambus-Rad in der „My Boo“-Werkstatt seine dem Kundenwunsch entsprechende Gestalt an. Der Einstiegspreis für ein Rad der Marke „My Boo“-Rad beträgt 1399 Euro. Das Pedelac kostet 3999 Euro.

Spritztour durch Kiel mit dem E-Bike aus Bambus:



 

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