Nach Umstellung auf „Kopers“ : Weiterhin verzögerte Gehaltszahlungen für Tarifbeschäftigte

Auch in den kommenden Monaten kommt es zu verzögerten Zahlungen.

Auch in den kommenden Monaten kommt es zu verzögerten Zahlungen.

Die neue Software, die Gehaltszahlungen an Tarifbeschäftigte vereinfachen sollte, läuft noch immer nicht rund.

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24. Oktober 2018, 13:44 Uhr

Kiel | Die Umstellung des Abrechnungsverfahrens „Entgelt“ auf die Software „Kopers“(Kooperatives Personalmanagement) wird voraussichtlich auch in den kommenden Monaten zu Verzögerungen oder Unvollständigkeiten bei Gehalts- oder Zuschlagszahlungen für Tarifbeschäftigte des Landes führen. Dies gab das Finanzministerium am Mittwoch bekannt. Schon in der Vergangenheit gab es Probleme.

„Im Zusammenhang mit Kopers treten derzeit leider weiterhin Software-Probleme auf. Das System läuft nicht hinreichend stabil, um die fristgemäße Abwicklung aller Zahlungsvorgänge gewährleisten zu können“, sagte Finanzstaatssekretärin Silke Schneider: „Obwohl beim Start einer solch umfassenden Software immer mit Anlaufschwierigkeiten zu rechnen ist, ist dieser Zustand sehr bedauerlich und letztlich nicht akzeptabel. Gemeinsam mit dem Dienstleister Dataport und dem Software-Entwickler P&I haben wir Maßnahmen ergriffen, um die Probleme systematisch abzuarbeiten. Wir erwarten, dass das System stabil läuft und eine fristgemäße Auszahlung der Gehälter für die Beschäftigten gewährleistet ist.“

Was ist Kopers?

Das Projekt „Kopers“ soll die teilweise über 40 Jahre alten IT-Lösungen der Verwaltung ablösen und durch eine neue standardisierte und integrierte Software ersetzen. Dabei werden auch die bisherigen Abläufe untersucht, angepasst, weitestgehend automatisiert und zentralisiert. Die einzelnen KoPers-Module werden sukzessive eingeführt. Im Juli 2018 erfolgte die Umstellung des Abrechnungsmoduls Entgelt auf KoPers.

Auch das Bewerbungsmanagement des Landes soll langfristig komplett auf „KoPers“ umgestellt werden und so die isolierten Spezialverfahren standardisieren. Das „KoPers“-Bewerbungsmanagement wird bereits im Bildungszentrum der Steuerverwaltung sowie in der Staatskanzlei verwendet.

 

Seit der Umstellung des Abrechnungsverfahrens für Tarifbeschäftigte auf die Software „Kopers-Entgelt“ im Juli kam es zu Problemen bei der Auszahlung von Gehältern, so das Innenministerium. Von insgesamt rund 100.000 Auszahlungsvorgängen waren im August rund 600 und im September rund 1000  betroffen. Hier wurden die Bezüge verspätet ausgezahlt. Die Abschlagszahlungen seien umgehend angewiesen worden. Bis diese die Betroffenen erreichen, vergehen in der Regel vier bis sechs Tage, so das Ministerium.

Probleme auch in den kommenden Monaten

Für die kommenden Monate zeichnet sich eine Fortsetzung dieser Entwicklung ab. Das Dienstleistungszentrum Personal (DLZP) rechnet derzeit mit Beeinträchtigungen im Verfahrensablauf bis Frühjahr 2019. Tarifbeschäftigte sollen jedoch frühzeitig informiert werden. Betroffen sind vor allem der Hochschulbereich, in dem rund 40 Prozent aller Tarifbeschäftigen des Landes angestellt sind, sowie der Bereich der Lehrkräfte, der rund 20 Prozent aller Tarifbeschäftigen des Landes ausmacht.

Um die korrekte und termingerechte Zahlung aller Gehälter so schnell wie möglich wieder gewährleisten zu können, soll es zu einer Priorisierung der Fallbearbeitung kommen. Auch werden Mitarbeiter des DLZP, unterstützt durch Assistenzkräfte, mehr arbeiten, um die Zahlungen anzuweisen, so das DLZP.

Auch wurde eine Hotline für die Betroffenen eingerichtet. Diese ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr unter der Rufnummer 040/428 28 1606 erreichbar. Zudem werden in allen Ressorts Ansprechstellen für Härtefälle eingerichtet, um in diesen Fällen eine schnelle Behebung zu gewährleisten.

Auch das Ministerium verspricht Hilfe

„Wir bündeln alle Kräfte. Die Mitarbeiter in unseren Behörden versuchen mit engagiertem Einsatz, alle Fälle trotz Softwareproblemen termingerecht zu bearbeiten“, so Staatssekretärin Schneider. Aufgrund der angespannten Situation könnten verspätet eingereichte Personalunterlagen jedoch nicht zügig nachgepflegt werden, sondern verstärkten den Rückstau. „Deshalb appelliere ich auch an die personalverwaltenden Dienststellen, die notwendigen Unterlagen fristgerecht einzureichen“, so Schneider.

Ursprünglich sollte das 2011 gestartete „Schlüsselprojekt“ für die Digitalisierung der Landesverwaltung 2014 fertig sein. Jetzt wird mit 2022 gerechnet. Die Kosten haben sich von ursprünglich veranschlagten 26,5 Millionen auf 117 Millionen Euro bis 2022 mehr als vervierfacht.

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