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Zentrale touristische Marketing-Organisation : Weiteres Standbein: Der Norden will die Tagungsbranche mehr ausbauen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Geschäftsreisetourismus soll die Nebensaison in SH beleben. Tourismusagentur lotet mit Studie erstmals den Markt jenseits klassischer Urlaubsgäste aus.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2017 | 19:35 Uhr

Kiel | Neben dem klassischen Geschäft mit der Erholung entdeckt Schleswig-Holsteins Tourismus-Branche ein weiteres Standbein: Kongresse, Tagungen, Seminare, Reisen zur Mitarbeiter-Motivation, Events aus Anlass von Firmenjubiläen oder Produktpräsentationen – alles, was im weitesten Sinne mit Geschäftsreisen zu tun hat, möchte die Tourismusagentur Schleswig-Holstein (Tash) mehr als bisher in den Norden holen. „Das bietet eine große Chance, da die Nachfrage häufig außerhalb der Ferienzeiten stattfindet“, erklärt der Geschäftreisetourismus-Experte der Tash, Veit Schröder. „Damit lässt sich der Saisonalität ein Stück weit entgegenwirken und die Auslastung verbessern.“

Erstmals hat die zentrale touristische Marketing-Organisation des Landes Zahlen zu dieser Sparte erheben lassen. Erstellt hat die jetzt veröffentlichte Studie das Europäische Institut für Tagungswirtschaft an der Hochschule Harz in Wernigerode. Es bringt seit Jahren das deutschlandweite „Meeting- und Eventbarometer“ heraus – und kann die Analyse für den Norden deshalb mit den nationalen Zahlen gut vergleichen. „Für Schleswig-Holstein ist noch Luft nach oben“, bilanziert Schröder.

355 Veranstaltungsstätten zählt das nördlichste Bundesland. Dort fanden im vergangenen Jahr 70.000 Veranstaltungen mit rund 6,4 Millionen Teilnehmern statt. Was nach viel klingt, entspricht nur 2,32 Prozent der Veranstaltungen und 1,56 Prozent der Teilnehmer in der ganzen Bundesrepublik. Auch bei der Auslastung hinkt das Land zwischen den Meeren hinterher: Waren die Veranstaltungsstätten in Deutschland 2016 im Durchschnitt an 127 Tagen belegt, galt dies in Schleswig-Holstein nur für 101 Tage.

Ebenso fallen Veranstaltungen an der Küste wegen kleinerer Betriebsstätten kleiner aus als im deutschen Durchschnitt: 82 Teilnehmer im Norden stehen 131 im deutschen Mittel gegenüber. Die Dauer hingegen war mit jeweils 1,6 Tagen gleich lang. Besonders auffällig im Vergleich: 62,2 Prozent der Veranstaltungen in Schleswig-Holstein waren Events und nur 37,6 Prozent im engeren Sinne beruflich motiviert. National gesehen ist es genau umgekehrt: 64,1 Prozent beruflich veranlasst und 35,9 Prozent Events.

Stark unterscheiden sich auch die Veranstaltungsarten: Während in Schleswig-Holstein 40 Prozent Kongresse, Tagungen und Seminare sind, macht dieses Segment deutschlandweit 60 Prozent aus. Höher ist demgegenüber in Schleswig-Holstein der Anteil von Kultur- und Sportveranstaltungen.

Mit dem gerade freigeschalteten Internet-Auftritt www.tagungstoern.de hat die Tash einen ersten Schritt gemacht, den Geschäftsreisetourismus nach vorne zu bringen. Das Portal bietet einen Überblick zum Beispiel über spezielle Dienstleister, Messe- und Kongressstandorte oder Reiseangebote zu Mitarbeitermotivation und Team-Building. Mit einem weiteren Klick landet der Betrachter auf der Seite des Anbieters. Außerdem schlägt die Seite Rahmenprogramme für Geschäftstouristen vor. Angesichts der landschaftlichen Reize und umfassenden Freizeitangebote des Urlaubslands ist das etwas, womit sich Schleswig-Holstein nach Einschätzung der Tash gegenüber anderen Regionen besonders profilieren kann.

Schröder legt Wert darauf, neben klassischen Veranstaltungszentren und Tagungshotels Locations mit dem gewissen Etwas herauszustellen. Das sind etwa Event-Schiffe, Gutshöfe oder Schlösser wie Glücksburg, Eutin oder Ahrensburg, die sich mieten lassen. „Der Erlebnisfaktor spielt auch bei beruflich motivierten Veranstaltungen eine entscheidende Rolle“, heißt es in der Studie. Sie schlägt auch Termine wie die Kieler Woche oder das Schleswig-Holstein Musik-Festival als Andockpunkte für Geschäftstourismus vor.

Im nächsten Schritt will die Tash die Netze vor allem nach Geschäftstouristen auswerfen, die sich für Barrierefreiheit und den boomenden Markt so genannter „Green Meetings“ mit guter Öko-Bilanz interessieren. Denn auf beiden Feldern, so ein weiteres Ergebnis des „Meetings- und Eventbarometers“, ist Schleswig-Holstein besser aufgestellt. Die Studie legt der Tash auch nahe, mit der Präsentation auf Fachmessen für Veranstaltungs- und Tagungreisen zu beginnen.

Die Autoren der Analyse urteilen grundsätzlich optimistisch: Der Geschäftsreisetourismus „hat das Potential, sich zu einem wichtigen Erfolgsbaustein im Tourismuskonzept des Landes zu entwickeln.“ Für Erfolge sei es allerdings wichtig, dass alle an einem Strang ziehen – dass nämlich „ein konsequentes und abgestimmtes Management von der Landesebene über die Regions- und Ortsebene bis zur Betriebsebene stattfindet“. Auch dürfe man sich aktuellen Qualitätsstandards etwa in der Veranstaltungstechnik nicht verschließen, setzt Veit Schröder hinzu. Und nicht zu vergessen, so der Tash-Spezialist weiter, die Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur: Der Zeitfaktor bei der An- und Abreise spiele beim Geschäftstourismus eine noch wichtigere Rolle als ohnehin schon beim Erholungsreisenden.

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