JVA Lübeck : Weil Insassen immer älter werden, plant das Land ein Senioren-Gefängnis

Für die Älteren soll eine ruhigere Wohnsituation geschaffen werden, in der es Barrierefreiheit sowie spezielle Sanitäranlagen gibt.

Für die Älteren soll eine ruhigere Wohnsituation geschaffen werden, in der es Barrierefreiheit sowie spezielle Sanitäranlagen gibt.

Um den Bedürfnissen älterer Häftlinge gerecht zu werden, soll es eine Spezial-Abteilung in der JVA Lübeck geben.

fju_maj_0203 von
19. Januar 2018, 21:11 Uhr

Lübeck/Kiel | Die zunehmende Überalterung der Schleswig-Holsteiner macht auch vor den Gefängnissen nicht halt: Im Kieler Justizministerium gibt es Überlegungen, in der Vollzugsanstalt Lübeck eine erste Abteilung für Insassen im Seniorenalter einzurichten. Das solle dazu dienen, „stärker die besonderen Bedürfnisse dieser Klientel zu berücksichtigen“, erklärte ein Sprecher.

Unter anderem gehe es dabei um räumliche Aspekte wie Barrierefreiheit oder spezielle Vorrichtungen für Gebrechliche bei Sanitäranlagen. „Es könnte so auch insgesamt eine ruhigere Wohnsituation geschaffen werden ohne Störungen durch laute Musik der jüngeren Generation“, hieß es weiter. Zugleich verspricht sich das Land von einer etwaigen Senioren-Abteilung bessere Möglichkeiten für altersgerechte Freizeit-, Sport- und Behandlungsgruppen. „Vereinsamungstendenzen würde entgegengewirkt, wären ältere Gefangene in Nähe zueinander untergebracht.“

Waren vor fünf Jahren erst 42 Gefangene im Land über 60 Jahre alt, galt dies Ende 2017 bereits für 48. Ihr Anteil an allen Insassen stieg von 4,7 auf 5,6 Prozent. Denn auch Verurteilte leben heute länger. Und es werden durch die höhere Zahl von Senioren auch mehr Menschen im vorgerückten Alter straffällig. 2012 verzeichnete das Landeskriminalamt 5636 Tatverdächtige über 60, 2016 schon 5738. Bei ihren Delikten stehen Diebstahl, Betrug, Körperverletzung und Nötigung weit vorn. Der älteste Gefangene im Land ist 78 Jahre alt. Drei JVA-Insassen sind pflegebedürftig.

„Wir können uns das Alter der Insassen nicht aussuchen“, sagt Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack. „Der Justizvollzug ist verpflichtet, die Belange jedes einzelnen im Blick zu haben, so weit das aus vollzuglichen Gründen und aus Sicherheitsgründen möglich ist“, er klärt sie. Die CDU-Politikerin verweist darauf, dass Anstalten deshalb bereits spezielle Angebote für Jugendliche vorhalten.

Sollte es zum Beschluss für eine Senioren-Abteilung kommen, stellt sich das Ministerium bis zu zehn Plätze vor. Unabhängig davon werden zwei Hafträume in Lübeck bereits in diesem Jahr für körperlich eingeschränkte Bewohner eingerichtet.

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