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Neues Denkmalschutzgesetz : Was wird aus Kieler Kulturdenkmalen?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Etliche Gebäudeeigentümer in Kiel müssen damit rechnen, dass sie in Zukunft Häuser unter Denkmalschutz besitzen, wenn diese einen kulturellen Wert haben. Die Stadt befürchtet in der Übergangszeit Abrisse oder Umbauten.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2015 | 05:56 Uhr

Ende Januar ist das neue Denkmalschutzgesetz in Kraft getreten. Das könnte schwerwiegende Folgen für besondere Gebäude in der Landeshauptstadt haben. Baustadtrat Peter Todeskino (Grüne) legte dem Bauausschuss gestern einen Zwischenstand vor – und äußerte darin die Befürchtung: „Grundsätzlich ist nicht auszuschließen, dass einzelne Eigentümer prophylaktisch ihre bisherigen einfachen Kulturdenkmale abreißen oder grundlegend baulich verändern, bevor sie nach Abschluss der Revision förmlich unter Denkmalschutz gestellt werden.“ Er rechnet mit einer Mehrbelastung der Rathausmitarbeiter durch Hausbesitzer, die viele Fragen haben.

Wesentlich bei der Novellierung des Gesetzes: Der Begriff des Kulturdenkmals wird vereinheitlicht. Die bisherige Unterscheidung in „einfach“ und „besonders“ ist aufgehoben. Künftig gibt es nur noch offiziell gelistete Kulturdenkmale. Es könnten also auch in Kiel viele Gebäude zusätzlich unter Schutz gestellt werden.

Stadtweit sind bislang laut Todeskino 622 Denkmale im Buch vermerkt. Darunter der Wasserturm im Stadtteil Ravensberg, die Gastwirtschaft der Forstbaumschule, Warleberger Hof und Fischhalle, Gründerzeit-Mietshäuser in der Esmarchstraße sowie Univerwaltungs-Hochhaus und Audimax. 176 einfache Kulturdenkmale seien zur Eintragung vorgesehen, legt Todeskino dar. Insgesamt werde die Zahl der einfachen Kulturdenkmale auf rund 930 geschätzt. Welche der Objekte in die neue Liste einfließen werden, steht noch lange nicht fest: „In Kiel ist mit der Bewertung der einfachen Kulturdenkmale in ca. zwei Jahren zu rechnen“, so Todeskino.

Das Landesamt für Denkmalpflege erklärte, man werde nicht mehr in diesem Jahr mit der Inventarisierung und Revision der Bauten in Kiel beginnen können. Eins zeichne sich aber schon aus der Erfahrung in anderen Städten im Norden ab, sagte Landeskonservator Dr. Michael Paarmann: „Ein ganz großer Aderlass an Kulturdenkmalen. Gut 50 Prozent der bisher als einfache Kulturdenkmale gelisteten Objekte existieren gar nicht mehr.“ Ob dies in Kiel auch so ist – unklar. Drei Bauten, deren Aufnahme in die Liste nahezu sicher ist, verriet Paarmann vorab:

> Die Oberfinanzdirektion, Adolfstraße 14-28.
> Teile des Friedhofs in Neumühlen-Dietrichsdorf, Friedhofstraße 44, mit 1907 erbauter Kapelle sowie künstlerisch wertvollen Grabmälern,
> Das Neue Rathaus mit Hauptpost und der Plastik von Bernhard Heiliger, Andreas-Gayk-Straße/Stresemannplatz.

„Denkmalgeschützt sollen in Zukunft auch Bauten sein, die im Wesentlichen das Stadtbild Kiels mitprägen, darunter werden auch Mietshäuser sowie Platz- und Straßenbild prägende Bauten fallen“, ergänzte Astrid Hansen vom Landesamt. Viele Eigentümer, die bislang ein einfaches Kulturdenkmal besaßen, hätten bereits bei Instandsetzungen oder Modernisierungen mit dem Amt zusammengearbeitet und für ihre Aufwendungen eine Steuerbescheinigung erhalten. Hansen: „Hier dürfen die Eigentümer damit rechnen, dass sie auch weiterhin im Besitz eines Kulturdenkmals sein werden.“

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