Ansiedlungspolitik : Was die Fraktionen von Primark halten

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Die Antworten fallen höchst unterschiedlich aus. Die Ansiedlung vopn Primark in der Kieler Innenstadt findet Befürworter, Kritiker und strikte Gegner in den Reihen der insgesamt acht Fraktionen in der Ratsversammlung.

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11. Januar 2019, 18:56 Uhr

„Es ist ein positives Zeichen, dass ein großes Unternehmen wie Primark den Standort Kiel als attraktiv bewertet. Mit der Eröffnung von Primark sind positive Effekte auf den Arbeitsmarkt verbunden. Wir setzen uns dabei selbstverständlich für tarifgebundene Arbeitsplätze ein. Wir sind überzeugt, dass sich Kiels neue Mitte insgesamt attraktiv für Kieler*innen und Tourist*innen gestalten wird. (SPD)

Grundsätzlich ist die Ansiedlung von Einzelhandel zur dringend notwendigen Belebung der Innenstadt sehr begrüßenswert. Es entstehen Arbeitsplätze und voraussichtlich eine höhere Kundenfrequenz zur Wiederbelebung der Innenstadt. Ob dies auch positive Auswirkungen auf den Tourismus haben wird, bleibt abzuwarten. (CDU)

Die Preispolitikvon Primark steht für ein Konsumverhalten, das die Müllberge von morgen produziert. Positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sehen wir nur bedingt. Denn in dieser erstklassigen Lage hätten auch andere, regionale Anbieter mit mehr Nachhaltigkeit im Geschäftsmodell Arbeitsplätze geschaffen. Für die Innenstadt sehen wir keine Aufwertung. (Grüne)

Große innerstädtische Umgestaltungen bringen natürlich auch Unternehmen in das Zentrum, welche wie Primark nicht unumstritten sind. Wir freuen uns über die Arbeitsplätze. Beim Tourismus kommt es auf ein stimmiges Gesamtkonzept an. Wir sollten in Zukunft genauer auf die Auswahl von Neuansiedlungen achten. (FDP)

„Fast Fashion“ basiert auf der Ausbeutung von Menschen, die Kleidung als billige Massenware für unseren Markt herstellen. Während die Arbeiter*innen am anderen Ende der Welt unter unwürdigen ökologischen und sozialen Bedingungen produzieren, wird in Kiel ein Wegwerfkonsum gefördert. Dies ist zutiefst widersprüchlich für eine Stadt, die sich seit Jahren als „Fairtrade-City“ verkauft. (Linke)

Wir sind über die Ansiedlung nicht erfreut. Ein Bekleidungsdiscounter, der für Wegwerfmode steht, passt nicht zu Kiel. Die Arbeitsbedingungen gelten als fragwürdig. Primark setzt auf Videoüberwachung, der Anteil der Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor ist hoch. Die Auswirkungen auf den Tagestourismus werden sich nach einem möglichen „Anfangshype“ auf überschaubarem Niveau einpendeln. (SSW)

Auch diese Filiale wird viele Menschen anziehen. Ebenfalls ist zu erwarten, dass Gäste, die mit Kreuzfahrtschiffen und Fähren in Kiel ankommen, sich eher in die Innenstadt bewegen als zum beliebten Citti-Park. (AFD)

Primark ist nicht einfach nur ein Textil-Discounter, sondern auch ein Symbol. Ein Symbol für eine Wegwerfgesellschaft und globale Ausbeutung. Und dieses Symbol findet seinen prominenten Platz im teuer sanierten, neuen Mittelpunkt der Innenstadt. Das steht Kiel nicht wirklich gut zu Gesicht. (Die Fraktion)

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