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Prozess um Grossbrand : War der Feuerwehrmann der Brandstifter in Altenholz?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf der Anklagebank sitzt der 23-jährige K. – doch die Beweise im Brandstifter-Prozess sind dürftig. Jetzt gibt es einen neuen Verdächtigen: P., Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Knoop, soll den Großbrand gelegt und später beim Löschen geholfen haben.

Neuerliche spektakuläre Wendung im Prozess um den Großbrand von Altenholz im November 2014: Möglicherweise hat ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr gezündelt und das verheerende Feuer verursacht, das damals das gesamte Geschäftszentrum des Ortes in Schutt und Asche gelegt und einen Millionenschaden hinterlassen hat. Eine Zeugin vor dem Amtsgericht Kiel hat gestern jedenfalls P. als Brandstifter benannt. Als Beschuldigter auf der Anklagebank sitzt allerdings K. – doch die Zweifel an seiner Urheberschaft sind gestern noch gewachsen. Was nicht nur am neuen Tatverdächtigen lag.

Drei Belastungszeugen hatten im Laufe des Verfahrens ihre Aussagen gegen K. – der zehn Wochen U-Haft erdulden musste – zurückgezogen (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft setzte ihre Hoffnung in einen Polizisten, der im Dezember 2014 als Gewahrsamsbeamter ein Geständnis des inhaftierten Angeklagten gehört haben will. Doch seine Aussagen waren gestern widersprüchlich. Immer wieder gab er Erinnerungslücken vor, obwohl er noch im Juni 2016 bei der Prozessvorbereitung sehr detaillierte Angaben gemacht hatte. Detaillierter jedenfalls als im Dezember 2014. „Das ist absolut nicht erklärbar“, betonte der Verteidiger von K. und fuhr den Zeugen hart an: „Sie haben gelogen. Entweder damals bei der Vernehmung oder heute.“

Für die Überraschung des Tages sorgte dann aber eine Zeugin, die einen völlig neuen Tatverdächtigen benannte. Ihr gegenüber soll P. den Brand gestanden haben. Mehr noch: Er soll mit seiner Tat sogar geprahlt haben und stolz gewesen sein, dass man ihn nicht als Brandstifter ausgemacht hatte. Nach Wissen unserer Zeitung war P. Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Knoop, einem Ortsteil von Altenholz. P. soll das Feuer gelegt haben, damals, am Morgen des 26. November 2014. Er soll danach beim Löschen geholfen haben, dies bestätigte gestern der Knooper Ortswehrführer Hans-Jörg Stock. Der junge Mann sei nur kurz Mitglied gewesen, habe nicht viel Kontakt innerhalb der Wehr gehabt, sei aber öfter durch große Worte und Angeberei aufgefallen, so Stock. Neben der Berufsfeuerwehr waren damals fünf Freiwillige Wehren im Einsatz.

Auch die Aussage der neuen Zeugin hat einen für die Ermittler faden Beigeschmack. Ihre Aussage machte die Frau am vergangenen Dienstag, beim Prozesstag am Mittwoch fanden ihre entlastenden Worte aber keine Berücksichtung – und seit dem Wochenende ist sie in Urlaub. Ein Polizist vom Kriminaldauerdienst trug das Ergebnis der Vernehmung deshalb vor Gericht vor, er hatte die mit dem Fall beauftragten Kollegen zügig, aber erfolglos informiert.

Der dritte Polizist, der gestern als Zeuge auftrat, offenbarte dann eine weitere Panne der Ermittler. Er hatte bereits im Februar 2015 – zu dieser Zeit war K. in U-Haft – mit einem (mittlerweile verstorbenen) Zeugen gesprochen, der ebenfalls P. als Brandstifter beschuldigt hatte. Den Inhalt seines Gespräches und auch den konkreten Verdacht gegenüber P. teilte er der zuständigen Kripo-Abteilung mit – doch auch dieser Ansatz verlief im Sande.

Ergebnis nach fünf kuriosen Verhandlungstagen: Es gibt weder handfeste Beweise noch maßgebliche Zeugenaussagen, die K. belasten. Die Richterin räumte den Beteiligten eine dreitägige Erklärungsfrist ein. Sie sollen sagen, wie es im Prozess weitergehen kann.
 

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erstellt am 06.Sep.2016 | 22:03 Uhr

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