Lokal-o-Mat : Wahlsprüche durchleuchten

Viele Hände über dem Einschaltknopf: Mit Stadtpräsident Tovar (Mitte) wurde gestern der „Lokal-o-mat“ freigeschaltet.
Viele Hände über dem Einschaltknopf: Mit Stadtpräsident Tovar (Mitte) wurde gestern der „Lokal-o-mat“ freigeschaltet.

Neun Parteien kandidieren bei der Kommunalwahl in der Landeshauptstadt. Da ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten. Die Jugendredaktion hat für ihren „Lokal-o-mat“ 30 Kernthemen herausgefiltert, um die Unterschiede deutlich zu machen.

shz.de von
16. April 2018, 19:04 Uhr

Seit gestern haben die Wähler (nicht nur) in Kiel und Neumünster eine Entscheidungsgrundlage mehr für ihre Stimmabgabe am 6. Mai. Mit dem „Lokal-o-mat“ können sie überprüfen, inwieweit ihre Wünsche und Forderungen mit dem Programm der Parteien in Übereinstimmung stehen. Zeitgleich in Neumünster und Kiel wurde die Internetseite freigeschaltet.

Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, Ratsmitglied seit 32 Jahren, war ein wenig aufgeregt. Denn der Sozialdemokrat war gleichermaßen Ehrengast wie Versuchskaninchen. Tovar atmete tief durch, als ihm die Apparatur nach 30 ausgewählten Fragen das Ergebnis verkündete. Satte 75 Prozent Übereinstimmung gab’s für ihn mit seiner eigenen Partei, der SPD. Dahinter folgten die Grünen und die Linken, aber auch mit der CDU errechnete Kollege Computer ihm noch eine 50-Prozent-Quote.

Tanja Binder von der Gesellschaft für Information und politische Beteiligung (GIDB) erklärte das Verfahren. Die Jugendredaktion hatte die Programme aller neun Parteien, die zur Kommunalwahl antreten, emsig durchforstet und 30 Kernthemen herausgefiltert. Sie reichen vom Umgang mit den Pavillons auf dem Alten Markt über ein mögliches Alkoholverbot auf dem Bahnhofsvorplatz, die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft und die Unterbringung von Flüchtlingen bis hin zu den Fahrverboten für Dieselfahrzeuge. Selbst die Einstellung zur Video-Überwachung, zum kostenlosen Mittagessen an den Schulen und zu Dänisch als zweiter Verwaltungssprache wurde abgefragt. Nutzer haben danach noch die Möglichkeit, bestimmte Themen stärker zu gewichten und bestimmte Parteien von vornherein für sich auszuschließen.

Der „Lokal-o-Mat“ wurde 2014 in Nordrhein-Westfalen entwickelt, wird wissenschaftlich begleitet von der Universität in Düsseldorf und kommt jetzt erstmals im Norden zum Einsatz. Er versteht sich keinesfalls als Wahlempfehlung, nicht einmal als Meinungsumfrage. Sondern in erster Linie als Instrument der politischen Bildung. „Kiel, Du hast die Wahl!“ stand denn auch auf den weißen T-Shirts der Redaktionsmitglieder gestern beim Start. Die gemeinsame Absicht: einerseits mit der Wahl auf die Grundbausteine der Demokratie verweisen, andererseits die Unterschiede zwischen den Parteien herausarbeiten. Unterstützt wird der „Lokal-o-Mat“ unter anderem vom Kieler Jugendring, der Landeszentrale für politische Bildung und der Stiftergemeinschaft der Förde-Sparkasse.


> Auf der Seite https://lokal-o-mat. de/ gibt es Verweise zur Kommunalwahl in Kiel und Neumünster; die Stadt Kiel hat bei ihrem eigenen Internetauftritt ebenfalls einen Link geschaltet: www.kiel.de/lokalomat.

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