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Abschlussbericht : Waffenkontrollen: Bockige Besitzer und Tresor-Mängel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt hat den Abschlussbericht zu den Überprüfungen seit 2009 veröffentlicht. Dem Dezernenten fiel auf, dass zu viele Waffenbesitzer uneinsichtig waren, wenn sie mit unzureichender Aufbewahrung konfrontiert wurden.

Die Ausreden lesen sich haarsträubend. Sie alarmieren. „Die Waffe ist ganz sicher verwahrt – ich finde sie im Moment selbst nicht“ – das beispielsweise gab ein namentlich nicht genannter Kieler Waffenbesitzer bei der Überprüfung zu seiner Waffenaufbewahrung an. Ähnlich erschreckend wirkt folgender Satz eines anderen Besitzers: „Die Waffe hängt zwei Meter hoch an der Wand – da kommt ganz sicher niemand heran.“ Und weil in fünf Jahren einiges an Sprüchen zusammenkommt, listet der zuständige Dezernent der Landeshauptstadt Kiel, Wolfgang Röttgers, zum Abschlussbericht der Waffenkontrollen seit 2009 weitere Beispiele auf: „Ich habe gar keine Munition – ich könnte die Waffe ja nur noch werfen“, heißt es ein anderes Mal. Mit Trotz und Unverständnis im Unterton fragt ein weiterer Waffenbesitzer den Kontrolleur: „Ich habe die Waffe seit 40 Jahren und niemanden damit umgebracht – was wollen Sie überhaupt?“

Das Fazit in Röttgers’ Bericht, der heute im Innen- und Umweltausschuss zur Debatte steht, überrascht kaum: „Es ließ sich über den gesamten Zeitraum der Waffenkontrollen seit Mai 2009 immer wieder feststellen, dass einer nicht unwesentlichen Zahl der Waffenbesitzer (...) die nötige Einsicht in die Bedeutung der korrekten Waffenaufbewahrung fehlte.“ Teilweise hätten sehr ausführliche Beratungsgespräche geführt werden müssen. Röttgers weiter: „Bei den Hausbesuchen wurden (trotz Terminvereinbarung) gelegentlich immer noch Mängel festgestellt: So entsprachen Tresore zum Teil nicht der angegebenen DIN-Norm, Munition wurde verbotswidrig außerhalb des Tresors verwahrt oder Waffen wurden von nicht berechtigten Personen zusammen verwahrt (z.B. Jäger mit Sportschützen).“

Der gesamte damalige Altbestand der Waffenbesitzer in Kiel wurde durchleuchtet. Zwei Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben sich fünf Jahre nur damit beschäftigt – Einholung einer Selbstauskunft, Abgleich mit vorhandenen Daten, Bereinigung der Aktenlage, Vereinbarung eines abschließenden Hausbesuchs. Unangemeldete Kontrollen, so Röttgers, gab es nur bei denjenigen, die auf das Anschreiben nicht reagiert hatten. Blieb der Kontaktversuch erfolglos, haben die Mitarbeiter die Waffenerlaubnis einkassiert, wegen groben Verstoßes gegen das Waffengesetz. Das kam in mindestens sechs Fällen vor.

Die Kontrollen zogen auch andere Konsequenzen nach sich. Aufgrund der Beratungen und Verfahren haben viele Kieler den Waffenbesitz aufgegeben – insgesamt 843. Aktuell sind 1415 Waffenbesitzer in Kiel erfasst. Seit 2009 gab es mehr als 1100 Hausbesuche, bei denen die Waffenaufbewahrung korrekt vorgefunden wurde. In den übrigen Fällen sei das Ergebnis der Verwaltungsverfahren noch offen, hieß es. Röttgers erläutert: „Hier kann es auch noch streitige Verfahren geben.“

Die Stadt geht insgesamt davon aus, für die Kontrollen in Zukunft deutlich weniger Personal einsetzen zu müssen.

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erstellt am 06.Mai.2014 | 05:57 Uhr

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