Ordnungsbehörden in SH : Waffen in Privatbesitz: Große Lücken bei Kontrollen

Waffe

704-mal wurden 2017 in den Kreisen und Städten unangekündigte Waffenkontrollen durchgeführt.

In den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Waffen in Privathaushalten von 184.737 auf 186.294 gestiegen.

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11. Februar 2018, 18:03 Uhr

Kiel | Aus Polizeikreisen kommt Kritik an der regional stark unterschiedlichen Kontrolldichte bei privaten Waffenbesitzern im Norden. „Auch jede legale Waffe, die einem schnellen Zugriff unterliegt, birgt erhebliche Gefahren, etwa bei plötzlich auftretenden Konflikten oder bei Depressionen“, warnt der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Torsten Jäger. „Deshalb kann es nicht sein, dass die Ordnungsbehörden bei Kontrollen derart die Zügel schleifen lassen.“

Jäger reagiert auf einen Bericht des Innenministeriums zum Waffenbesitz, den der SSW-Landtagsabgeordnete Lars Harms angefordert hatte. Demnach ist die Zahl der Waffen in Privathaushalten in den vergangenen drei Jahren von 184.737 auf 186.294 gestiegen. Die weitaus meisten sind nach Einschätzung von Fachleuten Sport- und Jagdwaffen.

Seit dem Amoklauf an einer Schule in Winnenden 2009 müssen alle Besitzer den Ordnungsämtern mit Fotos eine sichere Verwahrung nachweisen – etwa in abschließbaren Schränken und getrennt von Munition. Doch verdachtsunabhängige Kontrollen in Privaträumen durch Kreise und Städte fanden 2017 nur 704-mal statt – und dazu höchst uneinheitlich, wie das Ministerium mitteilt.

Relativ genau schaute Ostholstein mit 335 Hausbesuchen, Dithmarschen mit 143 und Kiel mit 111 hin. Rendsburg-Eckernförde, Steinburg und Lübeck meldeten nur jeweils eine Kontrolle, Nordfriesland und Neumünster zwei, Stormarn fünf und Schleswig-Flensburg zwölf.

Das Innenministerium hält die Zahlen nur eines Jahres „für zu wenig aussagekräftig, um daraus irgendwelche Rückschlüsse zu ziehen“, sagte ein Sprecher. Zugleich schränkte er ein: „Die Kreise haben ein Kontrollrecht, aber keine Kontrollpflicht.“ Gleichwohl sei es „das Bestreben des Landes, die Zahl der Waffen, die in Umlauf sind, möglichst gering zu halten“.

Um belastbare Daten zu bekommen, hat das Ministerium Kreise und Städte angewiesen, fortan jährlich Zahlen zu den Kontrollen zu melden. „Dadurch entsteht ein Druck auf die Ordnungsbehörden, die Kontrollen auch tatsächlich durchzuführen“, freut sich GdP-Chef Jäger. 
 

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