Kieler Umschlag : Von Piraten und Zimthühnern

Die Kölner Piraten erholten sich traditionell beim Umschlag vom Kölner Karneval.
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Die Kölner Piraten erholten sich traditionell beim Umschlag vom Kölner Karneval.

Nach vier Tagen endete am Sonntag der Kieler Umschlag. Spielmänner, Handwerker und Schausteller verwandelten Kiel in einen historischen Marktplatz.

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04. März 2018, 12:15 Uhr

Das Konzept scheint aufzugehen: Nachdem es im vergangenen Jahr nach der recht kurzfristigen Übernahme der Organisation des Kieler Umschlags durch Kiel-Marketing hier und dort noch etwas hakte, lieferte das Team um Uwe Wanger in diesem Jahr eine Zeitreise vom Mittelalter am Alten Markt über das glorreiche Zeitalter der Piraten am Asmus-Bremer-Platz bis in die Neuzeit mit dem Handwerkerzelt auf dem Holstenplatz.

Johannes Faget von den „Fogelvreien“, der seit Jahren für den Alten Markt zuständig ist, lobte die Zusammenarbeit mit Kiel-Marketing: „Das klappt fantastisch – toller Austausch und guter Informationsfluss. Alles das, woran es in den letzten Jahren gefehlt hatte.“ Zudem begrüßte er, dass seit dem letzten Jahr auf moderne Fahrgeschäfte und Automatenstände verzichtet wird. „Die brauchen wir nicht“, ist der Marktvogt überzeugt.

Während sich Asmus Bremer, Gemahlin Katharina und deren Gefolge vor dem Handwerkerumzug bei strahlendem Sonnenschein, aber Minustemperaturen mit einem Punsch aufwärmen, wissen Eike Hentrop und Sarah Frohriep vom Verein „Erlebtes Mittelalter“ aus Kiel ihre Arbeit am offenen Feuer zu schätzen. Sie bereiten ein Essen nach Originalrezept zu: Zimthuhn mit Karotten. Huhn mit Zimt? „Man würzte früher mit allem, was man hatte. Wer viele Gewürze hatte, der war reich und wollte dies zeigen“, so die Erklärung von Sarah Frohriep.

„Giacomo“ (Mitte) und das Duo „Basseltan“ sorgen für mittelalterliche Unterhaltung im Schatten der Nikolaikirche.
Suhr
„Giacomo“ (Mitte) und das Duo „Basseltan“ sorgen für mittelalterliche Unterhaltung im Schatten der Nikolaikirche.
 

Der Handwerkerumzug war zwar lang, allerdings waren Handwerker nicht so zahlreich vertreten, wie noch vor Jahren. Vielleicht lag es daran, dass das ehemalige Handwerkerzelt seit letztem Jahr auf dem Holstenplatz mit dem Laboer Zelt zusammengelegt wurde und die Handwerker dort lange nicht mehr so zahlreich vertreten sind wie im früheren Zelt. Voll war es aber trotzdem, schließlich gilt es, sich neben der Musik mit Labskaus oder auch Fliederbeersuppe zu stärken. Gleich neben dem Zelt erstmals dabei: das hölzerne Riesenrad, das Betreiber Marek Králik aus Tschechien höchstpersönlich per Hand antreibt.

Auch Timo (6) und sein Bruder Jannes (5) aus Kiel ließen sich in luftige Höhen von fünf Metern hieven. Sie waren mit Mama Katja Beglo auf dem Umschlag unterwegs, die auch das neue Konzept besser findet als den vorherigen Jahrmarktscharakter. Timo und Jannes genossen ihren luftigen Ausblick über den Holstenplatz.

Neben einigen Neuerungen war natürlich auch Altbewährtes zu finden. Ob es die Kölner Piraten waren, die sich wieder in Kiel vom rheinischen Karneval erholten, die Stimmung verbreitende norwegische Juristenkapelle „Corpsus Juris“, ohne die der Umschlag nicht der Umschlag wäre, oder die schwedischen Kanoniere, die nicht nur mit ihrer Kanone, sondern auch mit ihrem Schwedenpunsch überzeugten.

Viele Veranstaltungen am Rande – museal, musikalisch oder auch Führungen – in Verbindung mit einem Volksfest ohne modernes Jahrmarktsfeeling boten eine abwechslungsreiche Zeitreise für Jung und Alt.

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