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Sportboothäfen : Von Lee nach Luv in 20 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine echte Erfolgsgeschichte: Mit der Verpachtung von neun Sportboothäfen an die neugegründete Sporthafen Kiel GmbH begann 1997 der Aufschwung. Die Häfen haben es mittlerweile von der einstigen Schattenseite ins Fahrwasser der Moderne geschafft.

Die Not war groß damals. Der Glanz der Olympischen Spiele von 1972 war längst verblichen, die Infrastruktur in den städtischen Sportboothäfen sanierungsbedürftig. Doch im Kieler Säckel fehlte das Geld für die anstehende Modernisierung, selbst mit der Wartung kam man kaum hinterher. Jahrelang wurden Lösungsvorschläge diskutiert und verworfen, bis 1997 die grundlegende Änderung akzeptiert wurde. Am 1. April übernahm die neue Sporthafen Kiel GmbH von der Stadt Kiel die Verantwortung über neun Marinas. Im Rückblick lässt sich die Entwicklung als kleine Erfolgsgeschichte schreiben – doch das war vor 20 Jahren alles andere als selbstverständlich.

„Bei den Seglern herrschte damals der Eindruck, dass die Einnahmen aus der Pacht nicht in die Häfen zurückfließen, sondern eher in die neue Bestuhlung in der Ostseehalle“, sagt Philipp Mühlenhardt, der heutige Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH. Man muss wissen: Die Hafen- und Verkehrsbetriebe (HVB) waren als städtische Einrichtung sowohl für die Anlegeplätze der Hobby-Kapitäne wie auch für die Arena der Bundesliga-Handballer zuständig.

Mühlenhardt hat 2010 Frank Engler in der Chefposition abgelöst, er kennt aber die Schwierigkeiten der Anfangsphase. Anders als etwa in Wedel vor den Toren Hamburgs, wo der Sportboothafen in Vereinshand ist, hat man sich in Kiel bewusst für die unabhängige Lösung entschieden. „Frei von Vereinsinteressen“, nennt Mühlenhardt diesen Ansatz. Dafür hat die Sporthafen Kiel GmbH insgesamt 27 Gesellschafter, der größte ist der Kieler Yacht-Club.

In den Jahren vor 1997 hatte nicht nur die Attraktivität der Sportboothäfen gelitten, es war bereits die Sicherheit auf den Stegen gefährdet. Die Folge war eine kräftige Erhöhung der Liegegebühren, was der neuen Gesellschaft zunächst viel Kritik und Spott einbrachte. Heute sprechen modernisierte Sanitäranlagen und Anlegestege für sich – und die Tatsache, dass die Gebühren seit Jahren unverändert sind. Sie liegen während der Saison von Mitte März bis Mitte November (also acht Monate lang) bei 38 Euro für den Quadratmeter Bootsfläche.

„Die grundlegende Sanierung ist erledigt“, erklärt Mühlenhardt. „Wir haben jetzt finanziellen Spielraum.“ Weshalb die Gmbh der Stadt Kiel gegenwärtig jährlich 100  000 Euro an Pachtzins überweist. Die Frage, ob sich das Modell der Ausgliederung der Sportboothäfen bewährt hat, beantwortet die Stadt mit einem klaren Ja. Die gewachsene Ausstrahlung der Häfen mit ihren zusammen 2300 Liegeplätzen habe außerdem zu einem Aufschwung des Segel-Tourismus geführt. Jährlich werden rund 15  000 Boots-Übernachtungen gezählt. Mühlenhardt weiß, was in den Augen der „Übersee-Gäste“ Bedeutung hat: Wie sauber sind die Toiletten an Land – und wie nett ist der Hafenmeister?

Mit zehn bis 14 Euro für die Übernachtung fallen die Gebühren wohl geringer aus als auf den meisten Campingplätzen. Mühlenhardt ist sogar überzeugt, dass sich das einst so luxuriöse Segeln an der Förde zum echten Volkssport gemausert hat. Für 5000 bis 10  000 Euro bekomme man bereits ein gutes Boot. Und einen Liegeplatz gibt es zumeist auch. Nur wer unbedingt nach Schilksee will, muss mit einer Warteliste leben.  

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erstellt am 06.Jul.2017 | 02:00 Uhr

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