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Lubinus-Klinik : Von Knochensäge bis Faltencreme

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Kieler Lubinus-Klinik öffnete gestern zum 120-jährigen Bestehen einenTag lang die Türen für die Öffentlichkeit. Rund 3000 Besucher schauten hinter die Kulissen. Besonders die OP-Säle lockten viele Neugierige an.

Kittel angezogen, Schuh-Hüllen übergestreift, Hände desinfiziert – und schon steht die nächste Gruppe im OP. An einem Kniemodell zeigt Dr. Tilmann Krackhardt, wie er mittels Schlüsselloch-Methode einen Knorpelschaden reparieren kann. Hochbetrieb in der Lubinus-Klinik in Kiel. Es ist kein normaler Sonntag. Während der Klinikbetrieb weiterläuft, lässt das auf Orthopädie und Chirurgie spezialisierte Krankenhaus mit Notfallambulanz einen Blick hinter die Kulissen zu.

Zum 120-jährigen Bestehen der Einrichtung hat die Lubinus-Stiftung am Sonnabend das Jubiläum mit einem Festakt gefeiert und am Sonntag zum Tag der offenen Tür geladen. Am Ende dieses Tages werden rund 3000 Besucher das Haus unter die Lupe genommen haben – mehr als erwartet, wie ein Sprecher sagt. Eine der Besucherinnen ist Tina Böck. Sie wird auf den Mann treffen, der ihr in zwei Monaten eine Hüftprothese einsetzen soll.

Das Programm erlaubt den Gästen eine große Bandbreite an Einblicken, Vorträgen und Mitmachaktionen. Probeliegen in der neuen MRT-Röhre? Peter Weselmann ist dabei. Ohne Berührungsängste setzt er sich auf die Liegefläche. Assistentinnen reichen ihm einen Kopfhörer mit Musik. Das gefällt dem Kieler, der diese Untersuchungen kennt. „Angenehme Atmosphäre“, so sein Urteil.

Im Labor der Apotheke im Untergeschoss rührt eine Gruppe von Besuchern aus Heide eine Creme mit Vitamin E gegen Falten an. Einer der Männer freut sich über das Mitbringsel im Kosmetik-Tiegel für eine befreundete ältere Dame. Wer will, kann an der Wirbelsäulengymnastik in der Turnhalle teilnehmen oder seinen Rücken vermessen lassen. Andere Besucher haben Röntgenbilder mitgebracht und dürfen die Ärzte dazu mit Fragen löchern.

Zurück im OP-Trakt. Der orthopädische Chirug Gerald Dubber lässt die elektrische Säge summen. Die braucht er, um Patienten eine Hüftprothese einzusetzen. „Das ist eine Arbeit zwischen Tischlerhandwerk und Feinmechanik“, sagt Dubber augenzwinkernd – neben ihm liegt eine ganze Reihe silberfarbener Instrumente bereit, die tatsächlich an eine Werkstatt erinnern. Hammer, Hohlmeißelzange, Knochenkompressor. Tina Böck rollt mit ihrem Rollstuhl ein Stück an den Operateur heran. In zwei Monaten wird sie eine neue Hüfte bekommen. Dubber soll die Kronshagenerin operieren. Sie hat eine Fehlstellung der Hüfte, kann nur unter Schmerzen gehen und seit acht Jahren ihren Beruf der Hauswirtschafterin nicht ausüben. Tina Böck ist erst 27 Jahre alt, hat bereits mehrere OPs hinter sich. „Ich mache mir Sorgen, dass die Prothese nicht richtig einwächst“, sagt sie. Wie viele Eingriffe dieser Art im Jahr gemacht werden, möchte die junge Frau wissen. Der Arzt, seit 25 Jahren am OP-Tisch, spricht von 1  800 Fällen. Tina Böck ist nur wegen ihrer Fragen gekommen. Der Besuch im Operationssaal hat sie beruhigt.

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erstellt am 27.Apr.2015 | 06:30 Uhr

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