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Diplomatie : Von Heikendorf in die weite Welt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Moritz Jacobshagen (31) steht seit 2011 in diplomatischen Diensten / Der Jung vom Kieler Ostufer warb gestern im Audimax vor Studenten für seinen abwechslungsreichen Beruf.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2016 | 19:02 Uhr

Für Moritz Jacobshagen ist es der tollste Job der Welt. Der 31-jährige Diplomat mit Kieler Wurzeln warb gestern Nachmittag im Audimax vor Studenten für eine Berufskarriere im diplomatischen Dienst. Allerdings muss man einige Eigenschaften mitbringen. Menschenkenntnis gehört nach seinen Worten dazu, Sprachgewandtheit, pädagogische Kompetenzen – und auch das Vermögen, sich unter den mitunter schwierigen Umständen im Auslang auf die Zunge zu beißen und strenge Zurückhaltung zu üben.

Jacobshagen ist in Heikendorf (Kreis Plön) aufgewachsen. Als 16-Jähriger ging er für ein Jahr ins Ausland, zum Schüleraustausch nach Brasilien. In Ipatinga war er, wie er sagt, „der einzige Deutsche weit und breit – ein kleiner Botschafter meines Landes.“ Er lernte intensiv Portugiesisch und kehrte nach seinem Abitur am Gymnasium Wellingdorf für drei Monate nach Brasilien zurück. Um Gastfamilien zu besuchen und ein kleines Handbuch für den deutsch-brasilianischen Austausch zu schreiben. Es enthält praktische Ratschläge wie den Hinweis, dass „die deutsche Direktheit mitunter etwas forsch klingt für die Brasilianer“.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt war die berufliche Orientierung klar. Jacobshagen studierte Internationale Beziehungen in St. Gallen (Schweiz) und in Paris, hängte später einen Master für Ökonomie in London hintendran. Im Sommer 2011 bewarb er sich an der Diplomaten-Akademie in Berlin, und nach dem 14-monatigen Lehrgang führte ihn der erste Einsatz 2012 als 1. Sekretär nach Venezuela, in die Hauptstadt Caracas. „Das war damals eine der gefährlichsten Städte der Welt“, erinnert er sich. Nicht nur das: Sein jugendliches Aussehen führte zu manchen Schmunzlern auf diplomatischem Parkett, wenn etwa eine Studentengruppe an die Tür klopfte und fragte: „Donde esta tu Papa?“ – Wo ist dein Papa?

Nach drei Jahren im Ausland wurde Legationsrat Jacobshagen – das ist Usus im Diplomatischen Dienst – nach Deutschland zurückgerufen. Er wohnt jetzt mit seiner costaricanischen Ehefrau Graciela und dem vor drei Wochen geborenen Söhnchen Santiago in Berlin. Dabei machte er die Erfahrung, wie sie vor ihm schon ganze Generationen von Diplomaten beschrieben haben: „Im Ausland ein Fürstchen, im Inland ein Würstchen.“ Soll heißen: In den Botschaften in aller Welt besitzen die deutschen Diplomaten große Verantwortung und genießen hohe Achtung, in der Berliner Zentrale sind sie Teil einer Behörde mit 11  600 Mitarbeitern.

„Man muss sehr flexibel sein. Privat wie beruflich“, erklärte Jacobshagen gestern den Kieler Studenten. Nach seinen Worten sind die Anforderungen im Ausland höchst unterschiedlich und eigentlich nie richtig vorhersehbar. Das geht es etwa um eine kleine Rede zum Holocaust-Gedenktag, um die organisatorische Begleitung eines Elektrobeat-Festivals oder auch um das Inspizieren eines Sarges – um zu gewährleisten, dass keine Drogen geschmuggelt werden. Jacobshagen freut sich jedenfalls, in gut zwei Jahren wieder einen Posten irgendwo in der fremden Welt zu erhalten. Allerdings: „Es gibt nicht immer Wunsch-Einsatzorte wie Paris oder New York. Das kann dann auch Taschkent oder Ulan-Bator werden.“

 

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