Kiel mobil : Vom Rad ins Auto wieder aufs Rad

Machen mobil für mehr umweltfreundliche Mobilität: (von links) Hinrich Kählert, Christian Stamer, Dagmar Richter und der Ortsbeiratsvorsitzende Daniel Pollmann.
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Machen mobil für mehr umweltfreundliche Mobilität: (von links) Hinrich Kählert, Christian Stamer, Dagmar Richter und der Ortsbeiratsvorsitzende Daniel Pollmann.

Das Ostufer sattelt um: Der Tilsiter Platz wird mit Bushaltestelle, Taxistand und neuerdings zwei Leih-Autos zur ersten Mobilitätsstation der Stadt

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09. August 2017, 18:04 Uhr

Es ist das erste Projekt dieser Art in der Landeshauptstadt, und es startet auf dem Ostufer, genauer: an der Grenze zwischen Ellerbek und Wellingdorf. Die sogenannte Mobilitätsstation am Tilsiter Platz soll künftig die aktive und umweltfreundliche Fortbewegung fördern. Mit einer Carsharing-Station startete jetzt das Projekt „Aktive Mobilität in städtischen Quartieren“. Neben einer Bushaltestelle und Taxiständen am Tilsiter Platz sollen zwei Autos zum Ausleihen nun eine weitere raum- und klimafreundliche Alternative bieten.

Christian Stamer vom Tiefbauamt Kiel: „In diesem Viertel gibt es viele Autos, die auf den Gehwegen parken und Fußgänger und Radfahrer behindern.“ Ein Carsharing-Fahrzeug dagegen ersetze bis zu zehn Privat-Parkplätze, erklärte der Verkehrsplaner. Für kleinere und größere Spritztouren, für den Weg zur Arbeit oder für den Wocheneinkauf stehen ab sofort ein VW Up und ein Renault Clio des Unternehmens Stattauto zum Ausleihen an der Ecke Schönberger Straße/Havemeisterstraße bereit.

Dass ausgerechnet das Kieler Ostufer Standort für die erste Mobilitätsstation ist, erklärt Christian Stamer so: „Die Weitläufigkeit des Ostufers ist ein Problem, es ist hier anders als im Stadtteil Ravensberg, auch die Klientel ist eine andere.“

Ob das Carsharing-Konzept angenommen wird, erklärt Stattauto-Vorstand Hinrich Kählert, könne man erst in zwei, drei Jahren beurteilen. Denn: „Hier leben Menschen mit bis zu drei Autos. Es wird einige Zeit dauern, bis sie sich überlegen, eines abzugeben und stattdessen das Carsharing-Angebot anzunehmen.“ Interessant sei ein Leih-Auto für all jene, die unter 8000, vor allem aber unter 5000 Kilometer pro Jahr fahren. Die Vorteile des Stattautos liegen für ihn auf der Hand: „Der Service-Charakter ist immens: Man hat keine Werkstatt-Termine, keinen Reifenwechsel oder Tüv.“

Kooperationspartner des Projektes ist auch die Diakonie Altholstein mit dem Quartiersbüro Wahlestraße. Hier informiert Dagmar Richter zukünftig alle Interessierten über das neue Mobilitätskonzept des Stadtviertels. „Ich erkläre den Bewohnern des Quartiers beispielsweise, für wen sich das Carsharing-Konzept lohnt“, so die Quartiersbüro-Leiterin. Zudem wird in Zukunft ein Lastenrad zum Ausleihen im Quartiersbüro zur Verfügung stehen. „Aber es wäre auch denkbar“, so Christian Stamer, „eine abschließbare Fahrrad-Abstellmöglichkeit im Rahmen der Mobilstation zu errichten, in der das Lastenrad dann auch stehen könnte.“ So könne man etwa mit dem Rad oder auch dem Bus zum Tilsiter Platz fahren, um von dort auf das Stattauto „umzusatteln“.

Mobilitätskonzepte wie in Ellerbek/Wellingdorf als Alternative zum Privatauto sind längst überfällig, findet Stamer: „20 Prozent der Fahrzeuge in Kiel werden etwa nur einmal im Monat bewegt.“ Das Ziel der Landeshauptstadt sei es demnach, künftig ein Netz von Mobilitätsstationen im Stadtgebiet zu etablieren. Wo weitere Stationen entstehen sollen, steht aber noch nicht fest, sagte Christian Stamer. Aktuell gibt es 31 Carsharing-Stationen mit 80 Fahrzeugen der Firma Stattauto in Kiel. Hinzu kommen zwölf Carlos-Autos, die keinen festen Standort haben.  

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