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„Stand Up – Lift Up“ : Vom Klassenzimmer in die Chefetage

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein angehender Abiturient baut sein eigenes Sportartikel-Unternehmen auf – und ist als Gründer nicht nur in seiner Altersgruppe eine Ausnahme.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 07:45 Uhr

Kiel | Andere Schüler suchen sich einen Aushilfsjob, arbeiten in einem Café oder packen Regale auf – Raoul Plickat gründet Unternehmen. „Ich war 15 oder 16, da habe ich ein Praktikum im wirtschaftlichen Bereich gemacht“, erzählt der heute 20-Jährige aus Bredenbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Und schon damals war für ihn klar: „Ich wollte meine eigene Firma gründen, ich wusste nur noch nicht wie und wann.“ Vor wenigen Wochen sind die Pakete mit seiner ersten eigenen Sportkollektion im Hamburger Hafen eingetroffen.

Typisch ist das alles nicht. Eine alle drei Jahre im Auftrag des Bankenverbands durchgeführte Studie stellte 2012 fest, dass nur rund ein Fünftel der Jugendlichen Interesse an Wirtschaft hat – Tendenz abnehmend. Fast jeder Zweite verfügte demnach über schlechte Wirtschaftskenntnisse, etwas mehr als jeder Zweite konnte nur wenig mit dem Begriff „Inflationsrate“ anfangen und 95 Prozent der Befragten konnten nicht sagen, wie hoch diese in Deutschland ist.

Plickat sagt, dass ihn das Unternehmertum glücklich mache. Und er Dinge einfach ausprobieren wollte. „Wir haben nur ein Leben.“ Nach weiteren Praktika, die den jungen Mann unter anderem nach Dubai führten, wechselte Plickat 2012 vom Rendsburger Helene-Lange-Gymnasium an das Kieler Wirtschaftsgymnasium – wurde zum Mitglied des ersten Jahrgangs einer Schule, die es bis dahin noch überhaupt nicht gab. 250 Euro müssen Eltern im Monat aufbringen, um dem Kind den Schulabschluss mit wirtschaftlicher Kompetenz zu ermöglichen. Nimmt man den Fall Plickat, scheint es sich auszuzahlen. 45 Schüler zählt die Einrichtung derzeit. Organisiert ist sie als Profiloberstufe. „Eine Besonderheit, die wir haben, ist, dass jeder Schüler einen Mentor aus der Wirtschaft hat“, so Sven Donat von der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein, die maßgeblich hinter der Schule steht. Die Unternehmer würden den jungen Leute zur Seite gestellt, leisteten Hilfe in Schul- und Lebensfragen.

Noch im Jahr des Schulwechsels entwickelt Plickat die Idee zu „Stand Up – Lift Up“. Mit dem Namen und der gleichnamigen Website, die inzwischen monatlich 200.000 Besucher zählt, setzt er von vornherein auf den internationalen Markt – und hat für seine künftige Marke auch eine spezielle Philosophie entwickelt. Denn „Stand Up – Lift Up“ porträtiert unter anderem Sportler, die Schicksalsschläge erfahren haben. Und explizit soll es nicht nur um Trainingspläne und die von Plickat entworfenen Tank-Tops gehen, sondern auch um Fragen der Motiviation. „Mit Menschen, die Rückschläge erlitten haben, identifiziert man sich leichter“, sagt er. „Niemand wird als Vorbild geboren. Man erarbeitet es sich, indem man seinen eigenen Weg beschreitet.“ Entsprechend zieren die Tank-Tops aus seiner ersten Kollektion dann auch Motivationssprüche; spiegelverkehrt aufgedruckt, damit sie im Spiegel der Fitness-Studios lesbar werden.

Deutschland ist kein Gründerland. Nach Zahlen der Expertenkommission Forschung und Innovation liegt die Gründerquote bei gerade einmal 4,2 Prozent bezogen auf den Unternehmensbestand. In Großbritannien sind es 6,5, in Dänemark sogar 9,2 Prozent. Schleswig-Holstein zählt dabei nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau immerhin noch zu den fünf gründungsfreudigsten Bundesländern.

Im September vergangenen Jahres meldete Plickat den Namen seiner Firma beim Deutschen Marken und Patentamt an. Produzieren lässt er seitdem in der südchinesischen Millionenstadt Guangzhou. Betreut wird die Herstellung durch einen Manager vor Ort. Dass längst andere Länder günstiger wären bei der Herstellung als die Volksrepublik, weiß der Jung-Unternehmer auch. Doch in China gehe es inzwischen weitaus transparenter zu als beispielsweise in Bangladesh oder Thailand, erzählt er. „Mir war es wichtig, dass dort keine Kinder für mich arbeiten.“

Im kommenden Jahr wird Plickat, wenn alles gut geht, seinen Abschluss machen. Während andere Schulabgänger dann vom Klassenzimmer wahlweise an die Uni oder den Ausbildungsbetrieb wechseln, soll bei dem Bredenbeker das zweite Unternehmen folgen. „Ich will mich nicht darauf beschränken, dass dies mein einziges Unternehmen bleibt.“ Gespräche dazu führe er bereits.

Über Umsätze und Absatzzahlen mag Plickat genauso wenig sprechen wie viele altgediente Unternehmer. 700 Tank-Tops enthielten die ersten Pakete, die in Hamburg eintrafen. Die folgenden Sendungen würden weitaus größer ausfallen, versichert er. Und ja, er könne bereits von seinem Geschäft leben.

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