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Ehemaliges Schwimmbad : Vom Kieler Lessingbad bleibt nur die Hülle

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lange war die Zukunft des Kieler Lessingbads ungewiss. Jetzt steht fest, was sich in der ehemaligen Schwimmhalle am Schrevenpark künftig ansiedeln wird.

Kiel | Chlorgeruch hängt schon lange nicht mehr in den Räumen des alten und beliebten Lessingbads am Kieler Schrevenpark. 2008 wurde es stillgelegt. Akuter Sanierungsstau, alles zu teuer, so hieß es damals in der Begründung. Seitdem gab es dort Theateraufführungen, Kunst-Ausstellungen, Flohmärkte. Nun frisst sich schweres Gerät durch das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus dem Jahr 1935: Es wird von innen entkernt, und zwar von oben nach unten. "Nur die Hülle bleibt", wie Gabriele Wiesmann-Liese vom städtischen Amt für Immobilienwirtschaft sagt. Staubwolken und Lärm herrschen jetzt vor. Hellblaue Kacheln aus den Schwimmbecken liegen, teils unter Schutt begraben, in einer Ecke. Die elf Arbeiter der Abbruchfirma haben einen Durchbruch vom großen Becken nach draußen geschaffen. Jetzt klafft er wie eine große Wunde im alten Gemäuer. Nein, viel erinnert hier nicht mehr an romantische Schwimm-Events bei Kerzenschein und Klassikklängen von Mozart, mit denen das Lessingbad einst punktete.

Noch lässt sich allerdings auch nur erahnen, was Stadt-Architekt Stefan Saleh anhand nüchterner Bauzeichnungen erläutert: Bald sollen Kleinkinder durch die früheren Umkleidekabinen und den Innenhof toben. Eine Kita mit insgesamt 80 Plätzen entsteht in den beiden Seitenflügeln. Und dort, wo die Kieler früher ihre Bahnen schwommen, baggern in naher Zukunft Schüler beim Volleyball. Im Mittelschiff, an der Stelle des großen Beckens, wird eine Ein-Feld-Sporthalle für die Humboldtschule gebaut. Die Außenfassade erhält eine Frischzellenkur, und ein gastronomisches Angebot für die Öffentlichkeit wird im Eingangsbereich entstehen. Die beiden Kitas sollen bis Ende des Jahres fertiggestellt sein. Die erste Nutzung der Sporthalle visiert Saleh für den Frühherbst 2015 an. Die Sanierungs- und Umbauarbeiten werden nach Angaben der Stadt insgesamt etwa 6,8 Millionen Euro kosten.

Für die Landeshauptstadt Kiel ist es eine nach langer Debatte gefundene gute Lösung für die Schwimmhalle, die im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1953 neu eröffnet wurde. Zum Beispiel, weil sie neue Kitaplätze schafft - und um den Neubau einer Sporthalle für die Humboldtschule herumkommt. Aus Sicht vieler Kieler Bürger allerdings hätte das Schwimmbad in seiner alten Form erhalten bleiben sollen. Denen, die davon geträumt noch haben, hält Gabriele Wiesmann-Liese eine neue Erkenntnis entgegen: "Durch die Abbrucharbeiten wurde festgestellt, dass das große Becken in dieser Form nicht zu retten gewesen wäre." Der Fachmann spricht von "Bewehrungskorrosion" im Stahlbeton des Beckens. "Langfristig wäre es statisch nicht gesichert gewesen", erklärt Gabriele Wiesmann-Liese. Sie nimmt dies als weitere Bestätigung für das umfangreiche Sanierungskonzept. Der Schaden ist aus Sicht der Stadt Kiel auch ein zusätzliches Argument für den millionenschweren, nicht unumstrittenen Neubau des Schwimmbads an der Hörn.

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erstellt am 23.Jan.2014 | 06:58 Uhr

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