Bühne auf der Förde : Vom alten Kahn zum Theaterschiff

Alles läuft derzeit nach Plan: Theatermacher Michael Hamann (r.) und Werft-Projektleiter Sönke Stich an Deck des Schubleichters.
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Alles läuft derzeit nach Plan: Theatermacher Michael Hamann (r.) und Werft-Projektleiter Sönke Stich an Deck des Schubleichters.

Das private „Lore und Lay Theater“ lässt in der Gebrüder-Friedrich-Werft in Friedrichsort Kiels erste schwimmende Bühne fertigstellen. Voraussichtlich ab Mai können 200 Gäste im Bauch des Schubleichters den Schauspielern applaudieren.

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14. März 2019, 19:05 Uhr



Eisige Windböen blähen die Plane über dem Zugang auf. Der Aufbau fehlt noch; wer die Baustelle Theaterschiff besuchen will, muss sich erst mal ducken. Kopf unter die Plane, Treppe runter – dann öffnet sich der Blick. Zu erkennen ist die Tribüne im Rohbau, auch die bereits fertiggestellte Bühne im hinteren Teil des 76 Meter langen Schiffs. Noch sind es nur Bretter. Aber Bretter, die für Martina Riese und ihren Mann Michael Hamann die Welt bedeuten.

Ja, man braucht noch viel Phantasie, um sich in diesem dunklen, nackten, zugigen, fast leeren und leicht auf der Förde schaukelnden Raum eine moderne Bühne vorzustellen. Aber an Phantasie mangelt es Martina Riese und Michael Hamann vom Kieler Lore und Lay Theater nun wirklich nicht. Seit 2003 gestalten sie in der Landeshauptstadt ihr eigenes Bühnenprogramm mit vergnüglichen Boulevard-Stücken, die voraussichtlich ab Mai auf Kiels erstem Theaterschiff auf der Ostuferseite der Hörn zu erleben sein sollen. „Wir planen eine große öffentliche Einweihung im Herbst“, kündigt Hamann an.

Doch bis der erste Vorhang fällt, wird noch viel gehämmert, geschweißt, gebohrt und gemalt. Der Rumpf erhält einen dunkelroten Anstrich, das Deck wird anthrazitfarben. „Wir fahren täglich mehrmals hierher“, sagt Martina Riese. Das Schiff liegt derzeit an der Pier in Friedrichsort, die Gebrüder-Friedrich-Werft zeichnet für alle Schiffbauarbeiten verantwortlich. Derzeit wird die Reling verschweißt. Innen haben die Vorbereitungen für die Wandverkleidung begonnen. Anschließend stehen Pantry- und Tresenbau an. Beim Innenausbau führen die Theatermacher selbst Regie. „Wir bekommen Paneele in Rubinrot“, schwärmt Michael Hamann. Martina Riese will beim Streichen der Bühne mithelfen.

Das Ensemble wird wachsen. „Gerade sprechen Schauspieler bei uns vor“, sagt Martina Riese. Das erste Stück wird zu dritt („Männer, Frauen und andere Katastrophen – Landratten an Bord“), das nächste zu fünft auf die Bühne gebracht. Schon jetzt ist die Vorfreude auf die neue eigene schwimmende Bühne groß: Mindestens 200 Sitzplätze in gemütlichem Ambiente sind geplant, dazu eine Theater-Bar für Getränke und kleine Snacks sowie ein Sonnendeck mit Gastronomie. Sie soll vor der Aufführung eine Kaffeepause unter freiem Himmel ermöglichen.

Ein Großprojekt, nicht nur räumlich – der ehemalige sogenannte Binnenschubleichter aus der Erz- und Kohleschifffahrt aus Duisburg ist 76 lang, zwölf Meter breit und 25 Jahre alt –, sondern auch finanziell. Die Investition von gut 830 000 Euro wurde über EU-Fonds gesichert. „Ohne öffentliche Förderung mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums hätten wir das Projekt nicht stemmen können“, sagt Michael Hamann. Doch man habe sorgfältig geplant. Er betont: „Das Theaterschiff soll auf wirtschaftlich gesunden Füßen stehen.“

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