zur Navigation springen

Frühkindliche Bildung : Viel mehr als eine Krabbelgruppe

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der aktuelle Bildungsbericht analysiert die Situation bei der Betreuung der unter Dreijährigen in der Landeshauptstadt. Kiel steht zwar relativ gut da, doch in Zukunft werden noch mehr Krippenplätze benötigt.

Die Landeshauptstadt ist nicht schlecht aufgestellt, was das Angebot an Krippenplätzen für Kleinkinder angeht. Doch der Status quo reicht nicht aus, wie der neue Bildungsbericht belegt. Bei der Betreuung der unter Dreijährigen muss nach Ansicht von Bildungsdezernentin Renate Treutel noch kräftig draufgesattelt werden – sofern man die Schlagworte der Bildungsgerechtigkeit und der Integration ernst nimmt. Denn gerade der Nachwuchs aus ärmeren Familien ebenso wie aus Migrantenfamilien besucht eher selten die Krippe oder die Tagespflege – dabei braucht er die Förderung dringender als alle anderen Kinder.

Für den jüngsten Bildungsbericht hat die städtische Bildungsmanagerin Annika Poppenborg mit den Akteuren im Bündnis „Frühe Hilfen“ monatelang Zahlen, Erfahrungen, Erwartungen und Elternbefragungen ausgewertet und abgestimmt. Herausgekommen ist eine Analyse, wie es sie für den frühkindlichen Bereich in Kiel noch nicht gegeben hat. Von der Krabbelgruppe über die familiennahe Betreuung und die Begegnung in den insgesamt elf Familienzentren bis zur Krippe in den Kindergärten – alles wurde bedacht. Schnell zeigten sich Schwächen im System.

So liegt die Betreuungsquote mit 35 Prozent der unter Dreijährigen zwar weit über dem Landesdurchschnitt (28 Protent). Doch sie ist erstens nicht ausreichend und zweitens in den verschiedenen Stadtteilen ungleich verteilt. Angebote wie Beratung, Elterntraining oder Krabbelgruppen sind beispielsweise in Mettenhof, Gaarden oder Brunswik konzentriert. Trotz großer Kinderzahl vor Ort sind dagegen Quartiere wie Elmschenhagen, die Wik oder Hassee abgehängt. Und um allein den Nachwuchs der Flüchtlinge zu betreuen, müsste die Stadt neben acht Kita-Gruppen auch sechs Krippen mit jeweils zehn Kindern einrichten. Der natürliche Zuwachs (Stichwort: Kiel als wachsende Stadt) verlangt ebenfalls stärkere Anstrengungen in der frühkindlichen Betreuung.

Die Familienzentren leisten laut Bildungsbericht mit ihrer „niedrigschwelligen Begleitung“ gute Arbeit. Sie machen zudem die gesamte Palette an familiärer Unterstützung populärer. Denn auch daran mangelt es: Die Angebote sind oft vorhanden, aber eben nicht bekannt genug. Selbst arabische Familien, die traditionell eher zu einer Nachwuchsbetreuung in den eigenen vier Wänden neigen, greifen gerne darauf zurück, haben sie mit ihren Kindern erst mal in die Gruppe „hineingeschnuppert“ – das haben die Experten immer wieder beobachtet.

Was der Erhalt und der Ausbau des gesamten Betreuungsnetzes kosten, vermag Renate Treutel nicht abzuschätzen. Sie sieht Probleme weniger mit dem Kieler Kämmerer Wolfgang Röttgers – der sich über den ersten ausgeglichenen Haushalt seit Jahren freut –, sondern vielmehr mit Land und Bund über die Frage der Zuschüsse. Dabei steht für die Bildungsdezernentin ein Grundsatz fest: Wenn es in den ersten wichtigen Lebensjahren verkehrt läuft, wenn Betreuung und frühkindliche Bildung nicht funktionieren – das wird es „hinterher noch viel teurer“.  

zur Startseite

von
erstellt am 04.Feb.2016 | 11:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen