Verwaltung bremst "Stadtstrand" aus

Schwierigkeiten, Fragen: Stadt will Projekt nicht weiter verfolgen / Initiator überrascht und verständnislos / Gestern Thema im Bauausschuss

Avatar_shz von
08. März 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Alle waren sie begeistert, quer durch die Bank. SPD, CDU, Grüne - Kommunal-Politiker jedweder Couleur konnten sich für das Projekt "Stadtstrand Kiel" von Hans Joachim von der Burchard erwärmen. Auch Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) lobt die Idee nach wie vor: "Wir begrüßen das Engagement des privaten Vereins." Dennoch lautet das Fazit der Stadtverwaltung nach einer ersten Überprüfung der Voraussetzungen: "Nicht sinnvoll."

Die Idee: Am Hindenburgufer, zwischen Bellevue-Brücke und Seebadeanstalt Düsternbrook, soll Sand aufgeschüttet werden und ein eigener City-Strand entlang der Promenade entstehen. In Zahlen: 56 000 Kubikmeter Sand auf einer Länge von 400 Metern, bei 45 Metern Breite. Die Kosten schätzte Projektinitiator von der Burchard, Mediziner aus der Landeshauptstadt, auf etwa eine Million Euro. Der Imagegewinn: unbezahlbar.

Bei Abwägung aller Vor- und Nachteile sei es allerdings nicht zu empfehlen, "dieses Vorhaben weiterzuverfolgen", heißt es in einer ersten Stellungnahme, die die Stadtverwaltung auf Beschluss der Ratsversammlung ausgearbeitet hat. Zu viele Fragen seien offen. Besonders eine, so Todeskino: "Wer finanziert das?" Bedenken gibt es auch im Hinblick auf die Meeresbiologie: Die Sandaufspülung führe zu einer "weiträumigen Zerstörung" des vorhandenen Flachwasser-Biotops der Förde. Der klärende Effekt werde zunichte gemacht, Fische würden vertrieben. Eine größere touristische Aufwertung sieht Todeskino in dem Projekt nicht: "Am Ostufer gibt es viele Strände, die bis zum Abend Sonne haben." Das Westufer hingegen, wo der Stadtstrand geplant ist, liege in der warmen Jahreszeit teilweise bereits nachmittags ab 16 Uhr im Schatten. Schuld sei das Düsternbrooker Gehölz.

Ein herber Rückschlag für den Verein Stadtstrand Kiel, der diesen Plan im Herbst 2011 öffentlich gemacht hatte. Völlig überrascht und verständnislos reagierte Ideengeber von der Burchard gestern am Telefon, als er von der negativen Einschätzung der Stadtverwaltung erstmals hörte: "So kann man ein Projekt auch totreden."

Noch vor zwei bis drei Wochen sei er zu Gesprächen im Tiefbauamt gewesen, wo man die Technik abgesprochen habe. "Das klang sehr positiv", so von der Burchard, der das Meeresschutz-Argument nicht gelten lässt: "Organismen im Seesand filtern das Wasser besser als manche Miesmuscheln und Seegraswiesen." Auch in Sachen Finanzierung wurde er konkret, sprach von einer großen Spendenkampagne sowie einer positiven Aussage des Wirtschaftsministeriums, nach der EU-Fördergelder von bis zu 60 Prozent der Summe zu realisieren seien. Wenn man diese "faszinierende Idee", die andere große Städte Europas vormachen würden, nun nicht weiter verfolge, dann "versäumt Kiel eine große Chance, die Attraktivität zu steigern", zeigte er sich überzeugt.

"Das ist keine endgültige Entscheidung", beschwichtigte Todeskino auf Anfrage unserer Zeitung, "sondern das Ergebnis unseres ersten Aufgalopps". Gestern Abend tagte der städtische Bauausschuss zu diesem Thema. Der Kieler Bürgermeister hielt ein Hintertürchen für die Initiative offen: "Wenn die Politik sagt, wir wollen das Projekt...es gibt Anhaltspunkte dafür, dass wir aufgefordert werden, unsere Einschätzung zu differenzieren." Er brachte auch eine Alternative ins Spiel: Das Anlegen eines künstlichen Strandes an der Hörn.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen