zur Navigation springen

Kiel : Versuchter Kindesmissbrauch – zweieinhalb Jahre Haft

vom
Aus der Onlineredaktion

Haft und Schmerzensgeld: Ein 29-Jähriger wurde vom Landgericht Kiel verurteilt. Indizien für eine beabsichtigte Vergewaltigung einer 13-Jährigen sah das Gericht nicht.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 16:45 Uhr

Kiel | Für den Versuch, eine 13-Jährige sexuell zu missbrauchen, ist ein 29-Jähriger zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte das Kind im August 2013 auf einem Fahrradweg an der Bundesstraße zwischen Itzstedt und Nahe abgefangen und in ein Gebüsch gezerrt - laut Anklage um sie zu vergewaltigen.

Die Jugendstrafkammer des Kieler Landgerichts fand dafür aber keine Indizien. Sie verurteilte den Angeklagten am Dienstag wegen versuchter sexueller Nötigung, versuchtem Kindesmissbrauch sowie vorsätzlicher Körperverletzung. Zudem muss der Angeklagte dem schwer traumatisierten Mädchen 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen und für eventuelle weitere Folgen aufkommen.

Den Tatablauf wertete das Gericht als „Realität gewordenen Alptraum für das Mädchen und ihre Mutter“. Demnach lauerte der Angeklagte der 13-Jährigen auf, als sie gegen 15 Uhr mit dem Fahrrad unterwegs war. Er stellte sich ihr plötzlich mit ausgebreiteten Armen in den Weg und zog das sich heftig wehrende und schreiende Kind in ein nahes Gebüsch.

Als sie um Hilfe rief, drückte er ihr mit einem Stoffbeutel den Mund zu. So konnte ein zufällig vorbeikommender Passant sie nicht hören und ging weiter, schilderte der Vorsitzende Richter das traumatische Geschehen. Der Täter aber fühlte sich glücklicherweise dennoch gestört. Er fürchtete seine Entdeckung und flüchtete.  

Dass der Angeklagte das Mädchen nur habe ansehen wollen, wie er in nicht-öffentlicher Verhandlung selbst aussagte, nahm ihm das Gericht nicht ab. Auch dass er sie für älter gehalten habe als sie war, glaubten ihm die Richter nicht. Er habe von Anfang an billigend in Kauf genommen, dass sie erst 13 Jahre alt war. Auf seinem Laptop gebe es pornografische Bilder junger Mädchen. Der Vorsitzende sprach von „maßgeschneiderten Schutzbehauptungen“ des 29-Jährigen, die widerlegt seien.  

Der hochgewachsene schlanke Angeklagte nahm das Urteil mit heftigem Kopfschütteln und Unwillen auf. Seine Verteidiger hatten auf eine Bewährungsstrafe plädiert. Der Staatsanwalt wollte drei Jahre Gefängnis. Bis auf Anklageverlesung und Urteil war das Verfahren zum Schutz der Persönlichkeitsrechte des Opfers und des Angeklagten nicht öffentlich.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert