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Kita-Streik in Kiel : Verständnis, aber auch Frust bei Eltern

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur zwei von 32 städtischen Einrichtungen sind morgen geöffnet. Betroffene Eltern helfen sich gegenseitig – aber nicht alle zeigen Verständnis. Eine Mitarbeiterin berichtet, warum sie streikt.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 05:48 Uhr

Die Gewerkschaft Verdi hat zum Warnstreik im Sozial- und Erziehungsdienst aufgerufen – mit gravierenden Auswirkungen in Kiel: Fast alle städtischen Kitas bleiben morgen geschlossen. Von 32 Einrichtungen haben nur zwei wie gewohnt geöffnet. Panik unter den betroffenen Eltern? Fehlanzeige. Viele zeigen Verständnis. Doch so manche berufstätige Mutter ärgert sich.

Die Stimmung unter den Mitarbeitern in den städtischen Kitas allerdings ist angespannt. Die Mitarbeiter haben Angst um ihre Jobs: Öffentlich will sich, mit Ausnahme erfahrener Gewerkschafterinnen, niemand vorab äußern. Nur anonym berichtet eine Erzieherin (57), warum sie mitstreikt. Seit Jahrzehnten arbeitet sie im Dienst der Landeshauptstadt, hat viele Kitas kennengelernt. Seit mehreren Monaten übernimmt sie in Vertretung mehr Verantwortung auf der Leitungsebene. Vergütet wird dies nicht. „Ich verdiene im Monat 2800 Euro brutto“, ärgert sich die Erzieherin. „Es ist eine Frechheit von den Arbeitgebern, dass wir so niedrig eingruppiert sind.“

Bei den Tarifverhandlungen geht es um eine neue Entgeltordnung im Sozial- und Erziehungsdienst. Die Arbeitgeber, wie Eva Schleifenbaum vom Verdi-Bezirk Kiel-Plön kritisiert, „haben ganz deutlich gesagt, dass sie zu keinerlei Verbesserung der Vergütungen bereit seien“.

Das facht die Streikbereitschaft der Kieler Kita-Mitarbeiterin an. Denn die Anforderungen an pädagogische Fachkräfte würden stetig wachsen. Große Gruppen, mehr Pflege wie das Wickeln nicht-trockener Kinder. In der Einrichtung, in der die 57-Jährige tätig ist, kommt noch die Betreuung älterer Schulkinder im Hort dazu – „die Anforderungen in der Schule wachsen auch. Die Kinder kommen gereizt zu uns. Wir sind die Auffangstation“, so die Erzieherin. Für sie steht deshalb fest: „Ich sehe es als mein gutes Recht an, um eine höhere Eingruppierung zu kämpfen.“ Alle Kräfte in ihrer Kita ziehen mit, auch wenn nur gut die Hälfte in der Gewerkschaft ist.

Julia Holland, Mutter dreier Kinder einer Kita in der Beselerallee in Uninähe, zeigt Verständnis. „Wir bekommen eine super Betreuung, doch die Mitarbeiter sind schlecht bezahlt. Das steht in einem Missverhältnis“, meint die 40-Jährige. Ihre Tochter Enna (3) bleibt also morgen zu Hause. Für Julia Holland kein Problem, da sie ohnehin zu Hause ist. Auch Susanne Uehr, deren vierjährige Tochter eine andere Kita besucht, akzeptiert den Warnstreik, „so lange es nur ein Tag ist: Die Mitarbeiter verdienen wirklich sehr wenig, haben aber viel Verantwortung.“ Sie ist mit ihrem elf Monate alten jüngeren Sohn ebenfalls zu Hause und hat einer anderen Mutter angeboten, deren Kind zu betreuen. „Für diejenigen, die keinen Babysitter oder Großeltern in der Nähe haben, ist so ein Streiktag natürlich ein großes Problem.“

Zum Beispiel für eine Kielerin, die in Neumünster arbeitet – und deren Mann gerade auf Dienstreise ist. Ihre sechsjährige Tochter besucht den Hort im Knooper Weg direkt nach der Schule. Morgen muss die Mutter das Mädchen zum ersten Mal drei Stunden allein zu Hause lassen, weil die eigens engagierte Tagesmutter erst ab 15 Uhr Zeit hat. Neben ihr seien mehrere Eltern der Einrichtung „auf der Zinne“, so die Mutter, die anonym bleiben möchte. Ihr Rezept: Eine Portion Grießbrei für die Tochter – und eine Telefon-Standleitung nach Kiel.

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