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Urteil am Kieler Landgericht : Vergewaltigungsvorwurf: Gericht spricht Mann frei

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Er sollte zwei Internetbekanntschaften vergewaltigt haben. Doch nach fünf Verhandlungstagen blieb von den Vorwürfen wenig übrig - nur ein Handy-Diebstahl.

Kiel | Das Kieler Landgericht hat einen 33-jährigen Mann vom Vorwurf freigesprochen, zwei Internetbekanntschaften vergewaltigt zu haben. „Die Kammer hat die Zweifel daran, dass der Angeklagte die Taten begangen hat, nicht überwinden können“, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann am Donnerstag. „Damit fehlt eine tragfähige Entscheidungsgrundlage für eine Verurteilung.“

Weil der Angeklagte aber einer der beiden betroffenen Frauen das Handy entwendete, muss er wegen Diebstahls 60 Tagessätze zu je acht Euro zahlen. 20 davon wurden ihm wegen der überlangen Verfahrensdauer von über sechs Jahren erlassen.

Laut Anklage hatte der Rettungssanitäter im April 2008 in Kiel eine damals 26-Jährige mit einem Messer bedroht und sie zum Sex gezwungen. Drei Monate später soll er sich an einer 17-Jährigen vergangen haben. Beide Frauen - sie sind Nebenklägerinnen - kontaktierte er über die Internet-Foren „Knuddels“ und „Yappi“. 

Aus Sicht der Kammer waren dem Angeklagten die Vergewaltigungen nicht nachzuweisen. Eine der beiden betroffenen Frauen, die damals 26-Jährige, verwickelte sich demnach im Prozess in massive Widersprüche und war deshalb nicht glaubwürdig. Der anderen jungen Frau glaubte das Gericht zwar, dass es 2008 zu sexuellen Handlungen kam. Aber entscheidend für die Urteilsfindung war demnach die Antwort auf die Frage: Wehrte sich die 17-Jährige und war dies für den Angeklagten erkennbar? Dies aber verneinte das Gericht unter Hinweis auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes.

Ihre „leichte Gegenwehr“ sei für den Angeklagten „vielleicht nicht als ernsthafter Wille“, dass sie dies nicht wolle, erkennbar gewesen, sagte der Vorsitzende. Dabei verwies er auf die Schwierigkeiten der Wahrheitsfindung. Man habe es „auf beiden Seiten mit Menschen zu tun, die in ihrem Kommunikationsverhalten stark eingeschränkt sind“.

Schon die Staatsanwältin und die Verteidigung hatten auf Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigungen plädiert. Die Nebenklage wollte eine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe. 

Die Rechtsanwältin der 17-Jährigen will Rechtsmittel prüfen. „Dies ist ein klassischer Fall dafür, dass die Gesetzeslage dringend geändert werden muss“, sagte Kerstin Bartsch.

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erstellt am 06.Nov.2014 | 18:51 Uhr

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