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Landgericht Kiel : Vergewaltigung nach Chat: 33-Jähriger vor Gericht

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Laut Anklage vergewaltigte ein 33-Jähriger zwei Frauen, mit denen er sich im Chat verabredet hatte. Er bestreitet das.

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2014 | 17:01 Uhr

Kiel | Wegen Vergewaltigung zweier Frauen, die er im Internet kennengelernt hat, muss sich ein 33-Jähriger seit Freitag vor dem Kieler Landgericht verantworten. Die Staatsanwältin wirft dem Rettungssanitäter vor, im April 2008 in Kiel eine damals 26-Jährige mit einem Messer bedroht und sie zum Sex gezwungen zu haben. Drei Monate später soll er sich an einer 17-Jährigen vergangen haben.

Beide Frauen - sie sind in dem Verfahren Nebenklägerinnen - kontaktierte er über die Internet-Foren „Knuddels“ und „Yappi“.  Der 33-Jährige bestritt zu Prozessbeginn in einer knappen Erklärung seines Verteidigers die Vergewaltigungen. Danach schwieg der schmächtige und verstört wirkende Mann.

Aus früheren Angaben des Mannes ergibt sich ein widersprüchliches Bild. Nach der Strafanzeige der 26-Jährigen behauptete er zunächst in der polizeilichen Vernehmung, es sei gar nicht zum Sex gekommen. Er habe auch kein Messer dabei gehabt und ihr auch keine 50 Euro abgenommen. Später erklärte er, die Frau sei ihn angegangen. Auch im zweiten Fall will er keine Drohungen und Gewalt gegenüber der 17-Jährigen angewendet haben. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Den Polizeibeamten fiel bei den Aussagen des Mannes auf, dass er auffällig unruhig war, zitterte und sogar weinte. 

Der in Ostdeutschland geborene und aufgewachsene 33-Jährige ist mehrfach vorbestraft, wie der Vorsitzende Richter verlas, unter anderem wegen Körperverletzung und Nötigung. Er stammt aus zerrütteten Familienverhältnissen und gilt seit einer Erkrankung als Kleinkind als minderbegabt. Er besuchte eine Förderschule, immer wieder bescheinigte man ihm Anpassungsschwierigkeiten und Verhaltensauffälligkeiten. Er kam mehrfach in die Psychiatrie, gilt aber als therapieresistent. Fuß fasste er nach Aktenlage anscheinend nirgends. Er zog immer wieder um, eckte in therapeutischen Wohngemeinschaften an, wohnte früher auch in Obdachlosenheimen. 

Das Gericht hat fünf Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil wird Anfang November erwartet.

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