zur Navigation springen

Kiel-Region Kooperiert stärker : Vereint statt in Konkurrenz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiel und die angrenzenden Kreise wollen den gemeinsamen Wirtschaftsraum stärker entwickeln und vermarkten. Ziel: Unternehmen anlocken, Arbeitsplätze schaffen.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2015 | 06:06 Uhr

Die Akteure: gut gelaunt. Die Atmosphäre: gelöst. Die Kommentare: von „selbstbewusst“ bis „hochzufrieden“. Die Botschaft: Nur gemeinsam sind wir stark. Das Ziel: mehr Unternehmen ansiedeln, mehr Arbeitsplätze schaffen. Gestern haben die Landeshauptstadt Kiel und die angrenzenden Kreise Rendsburg-Eckernförde, Plön sowie die Stadt Neumünster am runden Tisch in Kiel den Schulterschluss in Wirtschaftsfragen demonstriert. Und ein klares Signal für die Entwicklung und Vermarktung des gemeinsamen Wirtschaftsstandorts gesendet.

Man wolle nicht länger lokal denken, sondern regional und jenseits von politischen Verhältnissen – insbesondere im Hinblick auf Gewerbeflächen, sagte Gastgeber Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderungsgesellschaft (KiWi). Das bedeutet auch: Weg vom Konkurrenzdenken, hin zur gegenseitigen Unterstützung. „Letztlich geht es um Unternehmen, nicht um Stadtgrenzen“, so Kässens. Kiel ist wegen seiner relativ kleinen Stadtfläche auf regionale Kooperationen angewiesen. Ein erstes interkommunales Gewerbegebiet, wie es nun auch vor den Toren Kiels in Melsdorf angestrebt wird, gibt es bereits zwischen Dänischenhagen und Altenholz.

Klingt nach einem einfachen, längst überfälligen Rezept. Doch tatsächlich bescheinigen sich die Akteure eine „neue Qualität“ in der Zusammenarbeit. Eckart Schäfer vom Kreis Plön lobt: „Wir arbeiten auf Augenhöhe miteinander.“ Von „mehr Stringenz“ und einer „Institutionalisierung“ etwa spricht Volker Breuer vom Kreis Rendsburg-Eckernförde. Das unterscheide den neuen Planungsdialog zwischen Kiel sowie Rendsburg-Eckernförde und Plön, wie sich die Arbeitsgruppe nennt, von der früheren Kooperations-Struktur KERN-Region. Ende 2008 war der Verein aufgelöst worden, weil die Mitglieder (Kiel, Eckernförde, Rendsburg, Neumünster) nacheinander ausgetreten waren. Die neue Arbeitsgruppe ist ein Ergebnis aus dem abgeschlossenen Regionalen Entwicklungskonzept (REK) der Kiel Region. Die Stadt Neumünster und die Landesplanung beteiligen sich als Gäste. Es scheint sich abzuzeichnen, dass Neumünster dem Dialog im März beitritt.

Eine weitere Besonderheit der Initiative, die zudem bundesweit als selten angesehen wird: Wirtschaftsförderer setzen sich gemeinsam mit den kommunalen Fachplanern an den Tisch. Warum das außergewöhnlich ist? Die Wirtschaftsförderer gelten als die Optimisten, die Planer in den Verwaltungen als die Bedenkenträger. Einmal im Monat, seit einem Jahr nun, gibt es nun den Austausch.

Erste Ergebnisse gibt es auch. Im Amt Achterwehr, in der Gemeinde Melsdorf, soll in den kommenden Jahren das interkommunale Gewerbegebiet Rotenhof entstehen. 20 Hektar mit Autobahnanbindung für regionale und überregionale Unternehmen, etwa aus der Logistik-Branche. Auch aus dem produzierenden Gewerbe hätten sich schon Interessenten gemeldet, so der Chef der Rendsburger Wirtschaftsförderung, Pascal Ledune. Die Idee zum Gebiet gibt es schon länger. Die konkreten Verhandlungen gehen auf den neuen, heißen Draht zwischen Stadt und Kreis zurück.

Das 30 Hektar große Gewerbegebiet Preetz-Wakendorf im Kreis Plön soll zudem um weitere 30 Hektar verdoppelt werden. Auch das frühere Kasernengelände in Lütjenburg, ebenfalls Kreis Plön, soll in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden. Um Konkurrenz zu vermeiden, wollen sich alle Akteure im Hinblick auf das jeweilige Gewerbeflächen-Profil absprechen. Bis November sollen nun regional bedeutsame Gewerbeflächen für 15 Jahre festgelegt werden. Gutachter analysieren dafür die etwas mehr als 100 Areale im gemeinsamen Wirtschaftsraum.

Dass Kooperationen über die Stadtgrenze hinweg auch scheitern können, sieht man aktuell am eskalierenden Streit zwischen Kiel und der Nachbarkommune Schwentinental. Das Oberzentrum Kiel sieht sich von Expansionsplänen im Raisdorfer Ostseepark bedroht. Dort soll ein Shopping-Center mit 15  000 Quadratmetern Fläche entstehen. Schwentinental hat beschlossen, eine „Veränderungssperre“ aufzuheben, um damit die Realisierung der Pläne zu vereinfachen. Kiel ist auf der Zinne – und erwartet, dass Schwentinental sich bewegt, sieht auch das Land in der Pflicht. Zum Streit wollten sich die Akteure gestern nicht äußern. Begründung: Man sei für Gewerbeflächen zuständig, nicht für den Einzelhandel.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen